Doch was sagt die Wissenschaft? Genau das hat das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) in Bayern untersuchen lassen. Im Projekt „Update: Milch“ haben Forschende der TU München und des Universitätsklinikums Freiburg den aktuellen Wissensstand zu Milch und Gesundheit ausgewertet. Das Fazit von Dr. Martin Kussmann, Leiter Ernährungswissen & Innovation am KErn: „Milch ist im Großen und Ganzen gesund. Punkt.“
Das deckt sich mit den Erfahrungen aus der Praxis. Dr. Claudia Laupert-Deick, Ernährungstherapeutin mit über 25 Jahren Berufserfahrung, erlebt in ihrer Praxis täglich, wie verunsichert viele Menschen sind. Häufig greifen sie zu pflanzlichen Alternativen, die aber oft weniger Vitamin B12, Calcium oder Vitamin B2 enthalten. „Fakt ist: Mit jeder Lebensmittelgruppe, die aus dem Speiseplan gestrichen wird, steigt die Verantwortung, die fehlenden Nährstoffe anderweitig zu ersetzen – sei es durch angereicherte Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel. Wer das nicht möchte, ist mit qualitativ hochwertiger Milch und Milchprodukten von heimischen Molkereien nach wie vor gut beraten“, sagt Dr. Laupert-Deick. „Milch und Milchprodukte gehören weiterhin zu einer gesunden Ernährung.“
Proteine, Calcium, Vitamine: Das steckt in der Milch
Milch ist durch ihre Fülle an Nährstoffen ein wertvolles Nahrungsmittel. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) empfiehlt Erwachsenen in ihren aktuellen Empfehlungen, täglich zwei Portionen Milch oder Milchprodukte zu verzehren. Das entspricht ungefähr 400 g pro Tag und berücksichtigt gesundheitliche sowie erstmals auch ökologische Aspekte. Auch Ernährungsexpertin Dr. Claudia Laupert-Deick rät: „Milch und Milchprodukte sollten zusammen mit Gemüse, Obst und Getreideprodukten täglich auf dem Speiseplan stehen.“
Milch gilt nicht nur als einer der effektivsten Calciumlieferanten, sondern bietet zusätzlich auch wichtige Proteine, Vitamine, Mineralstoffe und Milchsäurebakterien. Milch und Milchprodukte haben eine hohe Bioverfügbarkeit, das heißt, dass unser Körper die Inhaltsstoffe besonders gut aufnehmen kann. Hier seht ihr, welche Inhaltsstoffe in der Milch stecken und wofür sie wichtig sind.

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Proteine, auch Eiweiße genannt, gehören zu den Hauptnährstoffgruppen in unserem Körper. Proteine dienen als Baumaterial, das unserem Körper unter anderem beim Muskelaufbau und -erhalt unterstützt. Proteine sorgen außerdem dafür, dass Blut und Organe funktionstüchtig bleiben.
Unser Körper baut Proteine stetig auf und wieder ab. Diese Prozesse müssen im Gleichgewicht bleiben. Das gelingt nur, wenn wir unseren Körper regelmäßig mit Eiweiß aus der Nahrung versorgen. So bekommt er auch Aminosäuren, wichtige Proteinbausteine, die er nicht selbst bilden kann, aber für den körpereigenen Proteinaufbau benötigt.
Proteine sind nicht gleich Proteine. Milchprodukte bestehen zu 80% aus Kaseinen und zu 20% aus Molkeproteinen, auch Whey Proteine genannt. Letztere gelten – zusammen mit Proteinen aus Eiern – als die Nahrungseiweiße mit der höchsten Bioverfügbarkeit. Unser Körper kann sie optimal und schnell verwerten. Deshalb eignen sie sich besonders für einen Protein-Kick nach anstrengenden Workouts. Hier helfen sie uns, Muskeln gezielt aufzubauen. Die Kaseine überzeugen mit anderen Vorteilen: Der Körper nimmt sie langsamer auf. Deshalb machen sie nicht nur satt. Sie versorgen unseren Körper auch lange und konstant mit Aminosäuren.
Übrigens: Milch und Milchprodukte liefern in Deutschland rund ein Viertel des Eiweißes, das wir mit der Nahrung aufnehmen. Bestimmte Eiweißbausteine aus der Milch regen zudem den Muskelaufbau an. Das ist vor allem im Alter von Vorteil, wenn Muskelmasse und -kraft nachlassen.
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Calcium ist ein zentraler Baustein von Knochen und Zähnen, also ein besonders wichtiger Mineralstoff für Heranwachsende. Zudem trägt Calcium dazu bei, Signale in den Zellen zu übermitteln und Reize in Muskeln und Nerven zu übertragen. Verglichen mit anderen Mineralstoffen ist Calcium ein Hauptbestandteil unseres Körpers.
Calcium wird im Knochengewebe gespeichert: Wir müssen diesen Speicher regelmäßig auffüllen, weil unser Körper Calcium nicht selbst produziert. Milch und Milchprodukte dienen als sehr gute Calciumlieferanten. Tatsächlich decken wir in Deutschland etwa die Hälfte unseres Calciumbedarfs über Milch und Milchprodukte. Schon ein Glas Milch deckt ein Drittel der täglich empfohlenen Menge eines Grundschulkinds. Auch Spinat, Tofu oder Brokkoli enthalten viel Calcium. Wie viel die einzelnen Lebensmittel enthalten, könnt ihr hier nachlesen.
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Jod ist für unsere Schilddrüse unverzichtbar. Sie braucht es, um Hormone zu bilden, die Wachstum, Stoffwechsel und die Entwicklung des Gehirns steuern. Besonders wichtig ist Jod in der Schwangerschaft und Stillzeit, denn es trägt zur gesunden geistigen Entwicklung des Kindes bei.
Neben jodiertem Speisesalz gehören Milch und Milchprodukte zu den wichtigsten Jodquellen in unserer Ernährung. Sie decken bis zu 30 Prozent des täglichen Bedarfs. Wer Milch durch Pflanzendrinks ersetzt, sollte darauf achten: Diese enthalten von Natur aus kaum Jod und sind nur selten damit angereichert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt deshalb vor einem steigenden Risiko für Jodmangel. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, Pflanzendrinks mit Jod anzureichern, in der Menge, die natürlicherweise in Milch steckt.
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Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Milch sind die Vitamine, insbesondere Vitamin B2 und B12, in geringeren Mengen auch die Vitamine A und D.
- Vitamin B2…
… unterstützt unseren Stoffwechsel, insbesondere bei der Umwandlung von Fetten, Eiweißbausteinen und anderen Vitaminen. So trägt Vitamin B2 dazu bei, Energie zu produzieren und ist besonders wichtig für aktive Menschen und Heranwachsende.
- Vitamin B12…
… ist elementar für unsere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. So hilft es bei der Bildung roter Blutkörperchen, die den Sauerstoff in unserem Körper transportieren. Ein Glas Milch deckt ungefähr 20 % des täglichen Vitamin B12-Bedarfs eines Erwachsenen. Vitamin B12 gilt als Mangelvitamin von Veganer:innen und Vegetarier:innen, die das Vitamin substituieren müssen.
- Vitamin A…
… heißt umgangssprachlich auch das Augen- und Schönheitsvitamin, da es die Sehfähigkeit erhält und für den Aufbau der Haut und Schleimhäute wichtig ist. Darüber hinaus unterstützt Vitamin A unser Immunsystem.
- Vitamin D…
… hilft beim Einschleusen des Calciums in die Knochen und ist elementar für das Wachstum und die Aushärtung der Knochen. Auch verlangsamt es den Knochenabbau, was insbesondere in der Menopause dem Knochenabbau entgegenwirkt.
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Milchfett ist vielfältiger als sein Ruf. Es enthält über 300 verschiedene Fettsäuren, einige davon wirken nach aktuellem Wissensstand entzündungshemmend oder helfen, den Blutzucker auszubalancieren. Außerdem transportiert Milchfett die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K.
Spannend für alle, die auf Herkunft achten: Die Zusammensetzung des Milchfetts hängt stark von Haltung und Fütterung der Kühe ab. Milch von Kühen, die den Sommer auf der Weide verbringen, enthält mehr gesunde Omega-3-Fettsäuren als Milch von Kühen mit herkömmlicher Stallfütterung.
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Spurenelemente sind Nährstoffe, die der Mensch nur in geringen Mengen benötigt. Dennoch sind sie unentbehrlich für den Stoffwechsel und die Bereitstellung von Energie. Milch und Milchprodukte helfen unter anderem, den Bedarf an Zink zu decken. Zink unterstützt das Immunsystem sowie das Wachstum und die Entwicklung unseres Körpers und ist deshalb für Heranwachsende besonders wichtig.
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Milchsäurebakterien sind insbesondere in gesäuerten Milchprodukten vorhanden, wie in Buttermilch, Joghurt, Quark oder Kefir. Sie unterstützen eine gesunde Darmflora und damit auch unser Immunsystem, die Verdauung und ein gesundes Körpergewicht.
Mythen rund um Milch und Milchprodukte und die Gesundheit: Das ist wirklich dran
Milch und Milchprodukte gehören laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) täglich auf den Speiseplan. Trotzdem halten sich zahlreiche Mythen rund um die Milch und ihren Einfluss auf unsere Gesundheit. Was ist wirklich dran?
Wir haben Ernährungsexpertin Dr. Claudia Laupert-Deick gefragt und die Ergebnisse des KErn-Projekts „Update: Milch“ herangezogen. Allein das Team der TU München hat 95 wissenschaftliche Übersichtsarbeiten mit 281 untersuchten Zusammenhängen zwischen Milch und häufigen Volkskrankheiten analysiert. Die komplette KErn-Broschüre „Milch: Fakten statt Mythen“ gibt es zum Download unter www.kern.bayern.de
Mythen rund um Milch und Milchprodukte und die Gesundheit: Das ist wirklich dran
Foto: C. Laupert-Deick
Milch und Milchprodukte gehören laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) täglich auf den Speiseplan. Trotzdem halten sich zahlreiche Mythen rund um die Milch und ihren Einfluss auf unsere Gesundheit. Was ist wirklich dran?
Wir haben Ernährungsexpertin Dr. Claudia Laupert-Deick gefragt und die Ergebnisse des KErn-Projekts „Update: Milch“ herangezogen. Allein das Team der TU München hat 95 wissenschaftliche Übersichtsarbeiten mit 281 untersuchten Zusammenhängen zwischen Milch und häufigen Volkskrankheiten analysiert. Die komplette KErn-Broschüre „Milch: Fakten statt Mythen“ gibt es zum Download unter www.kern.bayern.de
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Kurz gesagt: Milch hat keinen nachteiligen Einfluss auf das Körpergewicht und geht sogar mit einem geringeren Diabetes-Risiko einher.
Ein Glas Vollmilch (200 ml) hat rund 130 Kilokalorien und liefert dafür hochwertiges Eiweiß, das lange satt macht. Auch der Milchzucker (Laktose) trägt offenbar zur Sättigung bei: Er lässt den Blutzucker langsamer und moderater ansteigen als Haushaltszucker. Forschende des Universitätsklinikums Freiburg haben 19 Studien mit rund 1.400 Erwachsenen ausgewertet. Das Ergebnis: Bei gleicher Kalorienzufuhr hatte mehr Milch keinen nachteiligen Einfluss auf Gewicht oder Taillenumfang, egal ob fettarm oder vollfett. Auch beim Typ-2-Diabetes gibt es Entwarnung: Laut TU München sind Milchprodukte, vor allem Joghurt und Käse, sogar mit einem geringeren Risiko verbunden.
Unser Tipp: Greift zu ungesüßten Produkten. Fruchtjoghurt oder Milchmischgetränke enthalten oft viel Zucker. Das ist der eigentliche Knackpunkt, nicht die Milch.
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Kurz gesagt: Nach aktueller Studienlage hat Milch keinen negativen Einfluss auf Blutdruck und Blutfettwerte.
Milchfett besteht zu rund 70 Prozent aus gesättigten Fettsäuren, die lange als Risiko fürs Herz galten. Die Forschenden des KErn-Projekts kommen aber zu dem Schluss, dass diese Sorge unbegründet ist. Ein Grund: Das Fett ist in Milch, Joghurt und Käse von Stoffen umhüllt, die das Cholesterin vermutlich eher senken. In den Freiburger Studien senkten Milchprodukte sogar leicht den Blutdruck. In einigen Studien war Milchkonsum außerdem mit weniger Schlaganfällen verbunden.
Wichtig ist auch, was stattdessen auf den Teller kommt: Wer Milchprodukte durch rotes Fleisch ersetzt, hat wahrscheinlich ein höheres Risiko für Herzerkrankungen.
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Kurz gesagt: Zwischen Vollmilch und fettarmer Milch gibt es keine eindeutigen gesundheitlichen Unterschiede.
„Weniger Fett, mehr Gesundheit“ klingt logisch, lässt sich aber nicht belegen. In den KErn-Studien spielte der Fettgehalt weder für das Gewicht noch für Blutdruck oder Blutfettwerte eine eindeutige Rolle. Vollfette Produkte können das „gute“ HDL-Cholesterin sogar leicht anheben. Einen besonderen Schutzeffekt haben sie aber auch nicht.
Beides hat also seinen Platz. „Bei 1,5 Prozent Fett bleibt der Nährstoffgehalt gleich – lediglich das Fett ist reduziert“, erklärt Dr. Martin Kussmann vom KErn. Wer Kalorien sparen will, nimmt fettarme Milch. Wer Vollmilch lieber mag, kann sie in den empfohlenen Mengen genießen.
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Kurz gesagt: In üblichen Mengen ist Milch nicht mit einem höheren Krebsrisiko verbunden. Vor Darmkrebs schützt sie wahrscheinlich sogar.
Hinter dem Mythos steckt oft die Sorge um natürliche Hormone in der Milch. Laut KErn sind die Mengen aber so gering, dass sie im Vergleich zu den körpereigenen Hormonen keine Rolle spielen . Die Übersichtsarbeit der TU München zeigt: Milch war meist mit keinem erhöhten oder gar einem geringeren Krebsrisiko verbunden. Am deutlichsten ist der Schutz beim Darmkrebs. Besonders gut schnitten Joghurt und andere fermentierte Milchprodukte ab.
Einzige Ausnahme: Beim Prostatakrebs deuten einige Studien auf ein leicht erhöhtes Risiko hin. Hier spielen laut KErn aber Alter und familiäre Vorbelastung eine deutlich größere Rolle. Ein Verzicht auf Milch zur Vorbeugung lässt sich daraus nicht ableiten.
Mehr zu Ernährung und Krebs findet ihr beim World Cancer Research Fund.
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Kurz gesagt: Milch verkürzt das Leben nicht. Laut Studienlage ist sie vermutlich weder mit einem höheren noch mit einem niedrigeren Sterberisiko verbunden.
Möglichst lange gesund leben: Das Thema „Longevity“ (Langlebigkeit) ist gerade in aller Munde. Manche sehen Milch dabei als Proteinquelle für ein langes Leben, andere raten davon ab. Die KErn-Studien zeigen: Die Lebenserwartung bleibt durch Milchkonsum unverändert. Fermentierte Produkte wie Joghurt könnten sogar das Risiko senken, an Herzleiden zu sterben.
Auch hier zählt, was stattdessen auf den Teller kommt: Wer Joghurt oder fettarme Milchprodukte durch rotes Fleisch oder Wurst ersetzt, hat wahrscheinlich ein höheres Sterberisiko.
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Kurz gesagt: Milch raubt den Knochen kein Calcium. Im Gegenteil: Sie ist einer der besten Calciumlieferanten.
Oft heißt es, Milch „übersäuere“ den Körper und entziehe den Knochen Calcium. Laut KErn gleicht unser Körper seinen Säure-Basen-Haushalt aber sehr gut selbst aus. Und: „Calcium aus Milch und Milchprodukten ist für den Körper ähnlich gut oder sogar besser verfügbar als das Calcium aus Mineralwässern und pflanzlichen Lebensmitteln“, erklärt Dr. Laupert-Deick.
Besonders wichtig ist Milch in jungen Jahren: Nur mit genug Calcium und Eiweiß kann sich eine stabile Knochenmasse aufbauen. Im Alter helfen Bewegung, Vitamin D und eine gute Calciumversorgung, dem natürlichen Knochenabbau vorzubeugen.
Gut zu wissen: Sehr viel tierisches Eiweiß kann die Calciumausscheidung erhöhen. Dr. Laupert-Deick empfiehlt Erwachsenen deshalb höchstens zwei Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag (DGE-Referenzwerte).
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Kurz gesagt: Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Einige Bestandteile der Milch wirken sogar entzündungshemmend.
In sozialen Medien heißt es oft, Milch sei „entzündungsfördernd“ und mit Schuld an chronischen Beschwerden. Das KErn zählt diese Aussage ausdrücklich zu den Milchmythen. Eher ist das Gegenteil der Fall: Milchfett enthält über 300 verschiedene Fettsäuren, und einige davon wirken nach aktuellem Wissensstand sogar entzündungshemmend. In fermentierten Produkten wie Joghurt oder Kefir entstehen zusätzlich Stoffe, denen positive Effekte auf das Immunsystem zugeschrieben werden. Dazu wird noch geforscht.
Wer Milch aus Angst vor Entzündungen weglässt, verzichtet also auf wertvolle Nährstoffe, ohne dass dafür ein Nutzen belegt ist. Wenn ihr nach Milchprodukten Beschwerden wie Blähungen oder Hautausschlag habt, lasst ärztlich abklären, ob eine Laktoseintoleranz oder Milcheiweiß-Allergie dahintersteckt.
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Kurz gesagt: Ohne Unverträglichkeit schadet Milch dem Darm nicht. Sauermilchprodukte können ihn sogar unterstützen.
Solange keine Laktoseintoleranz oder Milcheiweiß-Allergie besteht, hat Milch in der Regel keinen negativen Einfluss auf den Darm. Käse, Joghurt, Kefir oder Buttermilch enthalten Milchsäurebakterien, die eine gesunde Darmflora fördern. Das hilft bei der Verdauung und bei der Abwehr von Krankheitserregern.
Ernährungsexpertin Dr. Claudia Laupert-Deick empfiehlt für einen gesunden Darm eine pflanzenbetonte Ernährung in Kombination mit milchsauer vergorenen Lebensmitteln: Sauermilchprodukte liefern „gute“ Bakterien, und Ballaststoffe aus Obst, Gemüse und Vollkorn dienen ihnen als Futter.
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Kurz gesagt: Milch löst keine Akne aus. Bei bestehender Akne oder einer Allergie kann es aber Ausnahmen geben.
„Der Verzehr von Milch steht nicht im Zusammenhang mit der Entstehung einer Akne und verschlechtert nicht das Hautbild“, erklärt Dr. Laupert-Deick. Wer bereits unter Akne leidet, sollte allerdings beobachten, wie die Haut auf Magermilch reagiert, denn sie kann das Hautbild verschlechtern. Bei einer Milcheiweiß-Allergie kann Milch bei manchen Betroffenen zu Ekzemen führen.
Wenn ihr das Gefühl habt, dass sich euer Hautbild durch Milchprodukte verändert, sprecht mit einer Allergologin oder einem Allergologen. Mit einem Allergietest lässt sich eine Milcheiweiß-Allergie zuverlässig nachweisen.
Fermentierte Milchprodukte: Was Joghurt, Käse & Co. können
Wer sich ausgewogen ernähren möchte, sollte auch fermentierte Milchprodukte berücksichtigen. Dazu gehören Joghurt, Käse, Kefir und Buttermilch.
Fermentiert heißt: Milchsäurebakterien, bei Kefir zusätzlich Hefen, verwandeln die Milch. Sie bauen einen Teil des Milchzuckers, der Laktose, ab und bilden dabei Milchsäure. Dadurch schmecken die Produkte leicht säuerlich, halten länger und sind für viele Menschen besser verträglich. Außerdem entstehen neue Inhaltsstoffe, die dem Körper guttun können. Laut dem Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) können fermentierte Milchprodukte deshalb gesundheitliche Vorteile bieten, die über ihre reinen Nährstoffe hinausgehen. Was Joghurt, Käse, Kefir und Buttermilch im Einzelnen können, lest ihr hier.
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Joghurt ist mehr als ein Frühstücksklassiker. In einer großen Auswertung von Studien schnitt er im direkten Vergleich mit Milch in einigen Punkten etwas besser ab: Er verringerte den Bauchumfang leicht und wirkte sich günstig auf die Blutfettwerte aus.
Auch beim Thema Diabetes lohnt sich ein Blick: Milchprodukte sind laut Studien mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden, und fermentierte Produkte wie Joghurt schneiden dabei besonders gut ab. Ein Schutz im Sinne einer Garantie ist das zwar nicht, aber ein gutes Argument für den täglichen Joghurt.
Tipp: Greift zu Naturjoghurt und verfeinert ihn mit frischem Obst oder Nüssen. Fertige Fruchtjoghurts enthalten oft viel zugesetzten Zucker.
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Gute Nachricht für alle, die Milch schlecht vertragen: Gereifter Käse wie Emmentaler, Bergkäse, Gouda oder Parmesan ist praktisch laktosefrei. Das hat zwei Gründe: Ein Großteil des Milchzuckers geht bei der Herstellung mit der Molke verloren, und den Rest verwerten die Milchsäurebakterien während der Reifung. Je länger ein Käse reift, desto weniger Laktose enthält er. Weichkäse wie Camembert enthält nur noch Spuren.
Anders sieht es bei Frischkäse aus: Quark, Hüttenkäse, Mozzarella oder Feta enthalten noch Milchzucker. Wie gut ihr sie vertragt, probiert ihr am besten in kleinen Mengen aus.
Käse kann aber noch mehr: In Studien war er, wie Joghurt, mit etwas seltenerem Bluthochdruck und weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Und er ist einer der besten Calciumlieferanten, schon eine Scheibe trägt spürbar zum Tagesbedarf bei.
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Kefir stammt ursprünglich aus dem Kaukasus und wird mit einer besonderen Mischung aus Milchsäurebakterien und Hefen hergestellt. Daher kommt sein leicht säuerlicher, oft etwas prickelnder Geschmack.
Kefir enthält lebende Kulturen, die eine gesunde Darmflora unterstützen können. Die Milchsäure senkt zudem den pH-Wert im Darm. Das macht es unerwünschten Keimen schwerer, sich zu vermehren. Wie stark diese Effekte im Einzelnen sind, wird noch erforscht. Als Teil einer abwechslungsreichen Ernährung ist Kefir aber eine gute Wahl für den Darm.
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Buttermilch entsteht bei der Herstellung von Butter. Beim Buttern trennt sich das Fett vom Rest, und zurück bleibt eine leicht säuerliche, fettarme Flüssigkeit.
Buttermilch hat wenig Kalorien, macht aber trotzdem gut satt. Gleichzeitig liefert sie hochwertiges Eiweiß, das unsere Muskeln brauchen. Das macht sie zum Geheimtipp für alle, die auf ihr Gewicht achten oder regelmäßig Sport treiben.
Tipp: Buttermilch schmeckt pur als erfrischender Durstlöscher, im Smoothie oder im Teig für Pfannkuchen und Waffeln. Achtet auch hier auf Naturprodukte ohne zugesetzten Zucker.
Interview mit Dr. Martin Kussmann: Was die Wissenschaft über Milch sagt
Foto: Dr. Martin Kussmann
Wie gut ist die Studienlage zu Milch und Gesundheit wirklich? Wir haben bei Dr. Martin Kussmann nachgefragt. Der Biochemiker leitet den Bereich „Wissen und Innovation“ am Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn), einem Institut der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, und lehrt an der Technischen Universität München zu Ernährung, Ernährungssystemen und translationaler Ernährungswissenschaft. In über 30 Jahren in Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichem Sektor hat er Professuren in Lausanne, Aarhus und Auckland innegehabt und mehr als 200 Fachpublikationen veröffentlicht. Mit seinem Team hat er die wissenschaftliche Literatur zu Milch und Gesundheit systematisch ausgewertet.
Mehr zur Arbeit von Dr. Kussmann und seinem Team beim Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) erfahrt ihr hier.
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„Milch und Milchprodukte sind generell gesund. Die einzigen Ausnahmen sind eine Laktoseunverträglichkeit, die kann man durch laktosefreie Produkte umgehen, und eine Milchproteinallergie.
Wichtig ist, wie wir zu diesem Ergebnis kommen: Wir haben gemeinsam mit der TU München und der Uni Freiburg eine Metaanalyse durchgeführt. Das heißt, wir haben alles durchgefräst, was in der wissenschaftlichen Literatur vorhanden ist, und dann stark aussortiert. Denn auch in der Wissenschaft gibt es schwache Studien. In irgendeiner Nische findet man vielleicht auch mal einen Nachteil. Der einzige Punkt, der hochgepoppt ist, ist ein sehr hoher Konsum von stark gereiftem Käse, der bei Männern das Prostatakrebsrisiko erhöhen kann. Auch das ist nicht sehr signifikant. Über die gesamte Studienlage hinweg gilt: Milch und Milchprodukte sind gesund.“
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„Ich sage gerne: Ernährung ist wie Fußball. 84 Millionen Bundestrainer, 84 Millionen selbsternannte Ernährungsexperten. Da gibt es Leute mit Beschwerden: Darmbeschwerden, Hautbeschwerden, vermeintliche Allergien. Die lassen irgendetwas weg oder ändern ihren Lebensstil, und dann wird es vielleicht einen Tick besser. Das ist kein wissenschaftliches Resultat, sondern erst einmal eine Anekdote. Sie ist nicht kausal.
Ich habe Menschen getroffen, die ein regelrechtes Martyrium an Diätmodifikationen hinter sich haben und denen es am Ende nicht besser ging, manchmal sogar schlechter. Und diagnostiziert wurde nie etwas. Dabei ist der Unterschied wichtig: Eine Allergie ist eine definierte Immunüberreaktion gegen etwas eigentlich Harmloses. Eine Unverträglichkeit kann viele Gründe haben. Wer Beschwerden hat, sollte sie abklären lassen, statt sich auf eine Selbstdiagnose zu verlassen.
Und noch etwas gilt generell: Alles im Leben ist eine Frage der Dosis. Nichts ist nur gut und nichts ist nur schlecht.“
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„Man kann, aber man muss wissen, was man tut. Was man nicht machen kann, ist zu sagen: Ich lasse Milch weg und mache ansonsten ‚business as usual‘. Das wird nicht gehen. Denn die Milch bietet einen besonderen, geradezu einzigartigen Cocktail an Nährstoffen: hochwertiges Eiweiß, Calcium, Jod, B-Vitamine. Wer sie streicht, muss sich diese Nährstoffe gezielt anderswo holen.
Ein klassisches Beispiel ist Calcium. Nicht wenige Frauen lassen Milchprodukte wegen des Fettgehalts weg, dabei hat Milch selbst gar nicht viel Fett. Dann fehlt schnell eine der wichtigsten Calciumquellen, und das kann auf Dauer zulasten der Knochen gehen.
In einer vielseitigen Ernährung lässt sich das auffangen, man kann auch ohne Milchprodukte gesund bleiben. Nur: In manchen Lebensphasen ist der Spielraum kleiner. Am Lebensanfang ist Milch besonders wichtig, um Wachstum und Entwicklung zu gewährleisten – beim Kleinkind und bei Jugendlichen. Und am Lebensende wird sie wieder wichtiger, weil Proteinqualität im Alter erneut an Bedeutung gewinnt. Dazwischen ist die Versorgung meist unproblematisch. Aber genau an den beiden Enden des Lebens sollte man sehr genau hinschauen, bevor man streicht.“
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„Das ist die Eine-Million-Dollar-Frage. Erstens: Wer sagt es? Welche Expertise steht dahinter? Zweitens: Worauf beruft sich die Aussage? Auf Influencer oder auf eine wissenschaftliche Publikation? In der Wissenschaft gibt es den „Peer Review“: Fachleute prüfen die Arbeit, bevor sie erscheint. Man kann nicht einfach irgendetwas posten. So rigoros wird aus meiner Sicht in kaum einer anderen Branche kontrolliert.
Man muss dafür keine Fachartikel lesen, aber man kann schauen, ob überhaupt Quellen angegeben sind und welche. Wer ein Nature-Paper veröffentlicht, hat vielleicht 10.000 (Fach-)Leser und nicht 10 Millionen Follower. Ich bevorzuge trotzdem den Nature-Leser. Follower sind kein Zeichen für Güte.“
Für wen sind Milch und Milchprodukte besonders wichtig?
Keine zwei Menschen sind gleich. Für einen gesunden Lebensstil benötigen wir je nach Alter, Beruf, Hobby oder Geschlecht unterschiedliche Mengen der wichtigsten Nährstoffe. In Bezug auf Milch und Milchprodukte gelten insbesondere für Sporttreibende, Heranwachsende, Frauen sowie Seniorinnen und Senioren besondere Empfehlungen.
Für Sporttreibende
Fachleute unterteilen Sporttreibende in vier Kategorien, abhängig davon, wie viel Sport sie treiben und mit welchem Ziel. Die Häufigkeit und die Art des Workouts beeinflussen genauso wie der Lebensstil, welche Protein- und Nährstoffmenge eine Person benötigt.
- Breitensportler:innen finden Freude an der Bewegung und treiben ein bis drei Mal pro Woche für 30 bis 60 Minuten Sport.
- Gesundheitssportler:innen konzentrieren sich mehr auf die präventiven und therapeutischen Effekte von Sport, um zum Beispiel ihren Blutdruck zu senken, oder einem erneuten Herzinfarkt vorzubeugen. Sie sporteln zwei bis fünf Mal pro Woche für rund 60 bis 120 Minuten.
- Leistungssportler:innen nehmen an Wettkämpfen teil und trainieren vier bis sieben Mal pro Woche.
- Hochleistungssportler:innen trainieren fast täglich bis zu mehreren Stunden und bestreiten in der Regel Wettkämpfe.
Breiten- und Gesundheitssportler:innen haben keinen zusätzlichen Bedarf an Nährstoffen. Hier gelten die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Diese empfiehlt in den im März 2024 veröffentlichten Food Based Dietary Guidelines (FBDG) täglich zwei Portionen Milch bzw. Milchprodukte.
Leistungs- und Hochleistungssportler:innen brauchen mehr Eiweiß – je nach Sportart aus unterschiedlichen Gründen:
- Beim Krafttraining, das auf Muskelaufbau und Kraftzuwachs abzielt, braucht der Körper Eiweiß für Reparatur und Wachstum der Muskeln. Warum? Während des Trainings entstehen kleine Risse in den Muskelfasern. Aminosäuren, die Bausteine des Eiweißes, reparieren diese Risse und stärken die Muskeln.
- Auch bei Langzeit-Ausdauersport, wie bei Marathonläuferinnen und -läufern, besteht ein erhöhter Eiweißbedarf. Warum? Während langer Belastungen greift der Körper nicht nur auf Kohlenhydrate und Fette zurück, sondern baut auch Aminosäuren ab, um Glukose zu gewinnen. Dies geschieht in einem Prozess namens Gluconeogenese. Dadurch kann der Körper bis zu 10 % des Energiebedarfs decken. Ein Vorgang, der körpereigenes Eiweiß beansprucht, vor allem aus der Muskulatur. Dieser Eiweißabbau muss kompensiert werden, um die Regeneration zu fördern.
Unabhängig von der Disziplin sollten Menschen im (Hoch-) Leistungssport folgende Punkte beachten:
Auch wenn Sportlerinnen und Sportler ihr Gewicht reduzieren möchten, passen Milchprodukte hervorragend in ihre Ernährung. So können sie beispielsweise zum Frühstück Joghurt zum Müsli oder Quark zum Brot essen. Mittags macht sich Kräuterquark zu Kartoffeln oder Skyr mit zuckerarmem Obst als Nachtisch sehr gut. Zum Abendessen könnte es dann fettarmen körnigen Frischkäse oder mageren Hartkäse zum Brot geben. Schmackhaft, kalorienarm und gesund.
Ein Geheimtipp nach dem Training ist Buttermilch: wenig Kalorien, aber viel hochwertiges Eiweiß. Mehr dazu lest ihr in unserem Abschnitt zu fermentierten Milchprodukten.
Für Heranwachsende
Kinder und Jugendliche haben im Vergleich zu Erwachsenen einen deutlich höheren Energie- und Nährstoffbedarf, da sich ihr Körper noch im Wachstum befindet. Knochen, Zähne, Muskeln und Organe entwickeln sich und benötigen dafür essenzielle Nährstoffe.
„Besonders wichtig ist die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlene Calciumzufuhr“, erklärt Dr. Laupert-Deick. „Calcium spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung starker Knochen und Zähne.“ Fehlt es an Calcium im Blut, gleicht der Körper dies aus, indem er die Speicher in Knochen und Zähnen anzapft. „Gerade bei Heranwachsenden kann ein langfristiger Calciummangel schwerwiegende Folgen haben, da die Knochen in dieser Lebensphase ihre Grundstruktur für das gesamte Leben ausbilden.“ Milch und Milchprodukte sind in diesem Kontext besonders wertvoll. „Sie gehören zu den besten Calciumlieferanten überhaupt und bieten gleichzeitig hochwertiges Eiweiß, das für den Aufbau von Muskeln und Organen unverzichtbar ist“, betont die Expertin. Dies ist insbesondere für Jugendliche wichtig, da der Körper in diesem Alter Muskelmasse und Körperkraft aufbaut.
Darüber hinaus punkten Milchprodukte als schnell verfügbare Energiequelle und mit ihrem guten Einfluss auf die Darmgesundheit und das Immunsystem. „Besonders kleine Kinder profitieren davon, da ihr Immunsystem noch in der Entwicklung ist.“
Für Frauen
Frauen profitieren in verschiedenen Lebensphasen besonders von den Nährstoffen aus Milch und Milchprodukten.
Calcium für die Knochen: Frauen haben ein höheres Risiko für Osteoporose als Männer, vor allem nach den Wechseljahren, wenn der Knochenabbau zunimmt. Ob die Knochen lange stabil bleiben, entscheidet sich vor allem in Kindheit und Jugend: Nur mit genug Calcium, Eiweiß, Vitamin D und Bewegung kann sich eine stabile Knochenmasse aufbauen. Im Erwachsenenalter spielen Veranlagung, Bewegung und Vitamin D eine größere Rolle. Ausreichend Calcium gehört aber weiterhin dazu. Dr. Martin Kussmann vom KErn beobachtet, dass gerade Frauen Milchprodukte oft wegen des Fettgehalts meiden. Dabei liefern fettarme Varianten wie Milch oder Joghurt mit 1,5 % Fett genauso viel Calcium.
Jod in Schwangerschaft und Stillzeit: In dieser Zeit steigt der Bedarf an Jod deutlich, denn das Spurenelement ist wichtig für die gesunde geistige Entwicklung des Kindes. Milch und Milchprodukte gehören neben Jodsalz zu den wichtigsten Jodquellen. „Das ist besonders wichtig für das Wachstum – vor allem auch für Frauen, wenn sie Kinder bekommen“, sagt Dr. Kussmann. Wichtig in der Schwangerschaft: Auf Rohmilch und Rohmilchkäse solltet ihr wegen möglicher Keime wie Listerien verzichten.
Gesunde Darm- und Scheidenflora: Die Scheidenflora besteht vor allem aus Milchsäurebakterien, die für ein saures Milieu sorgen und Krankheitserreger abwehren. Eine ausgewogene Ernährung mit gesäuerten Lebensmitteln wie Joghurt, Kefir oder Sauerkraut kann dabei helfen, das Gleichgewicht der Darmflora und damit auch der Scheidenflora zu unterstützen. Bei Beschwerden solltet ihr immer ärztlichen Rat einholen. Weitere Tipps für die Scheidengesundheit könnt ihr hier nachlesen.
Für Seniorinnen und Senioren
Ein gesunder Lebensstil wirkt typischen Altersbeschwerden entgegen. Eine gesunde Ernährung mit Milchprodukten kann den Körper noch im hohen Alter unterstützen. Hier die wichtigsten Faktoren:
- Proteine für die Muskeln: Im Alter nehmen Muskelkraft und -masse ab. Milcheiweiß ist hier besonders wertvoll: Bestimmte Eiweißbausteine aus der Milch regen den Muskelaufbau gezielt an. Eine proteinreiche Ernährung, zum Beispiel mit Milchprodukten, fördert so die Beweglichkeit und begrenzt den Muskelverlust. Auch Dr. Martin Kussmann vom KErn betont: „Im Alter gewinnt die Qualität des Eiweißes wieder an Bedeutung.“
- Sauermilchprodukte für die Verdauung: Im Alter verändert sich oft die Verdauung. „Bei einigen Seniorinnen und Senioren bildet der Körper weniger Verdauungsenzyme. Bei anderen verändert sich die Magenschleimhaut. Dies kann dazu führen, dass weniger Nährstoffe aufgenommen werden und dem Körper zur Verfügung stehen“, erklärt Dr. Laupert-Deick. Sauermilchprodukte unterstützen die Darmflora. Das hilft dem Körper, Nährstoffe besser aufzunehmen.
- Milchprodukte bei Kau- und Schluckbeschwerden: Viele Menschen leiden im hohen Alter an Kau- und Schluckbeschwerden. Das senkt die Lebensfreude und den Appetit – bis hin zum Nährstoffmangel. Milchprodukte wie Joghurt und Quark lassen sich leicht verzehren und versorgen den Organismus mit Spurenelementen und wichtigen Nährstoffen wie Proteinen, Calcium und Vitaminen.
- Milchprodukte bei Appetitlosigkeit: Dr. Laupert-Deick erklärt: „Häufig schmecken ältere Menschen die Geschmacksrichtungen „süß“ und „salzig“ weniger, „sauer“ und „bitter“ dafür umso mehr. Dies kann zu Appetitlosigkeit führend und eine Mangelernährung begünstigen.“ Auch hier helfen Milch und Milchprodukte mit ihrer Fülle an Nährstoffen und ihrer großen Auswahl milder Geschmacksrichtungen.
- Milchprodukte gegen Osteoporose: Mit zunehmendem Alter nimmt die Knochendichte ab und die Calciumaufnahme sinkt. Regelmäßige Bewegung und eine ausreichende, regelmäßige Calciumaufnahme in Form von Milch und Milchprodukten helfen, Knochenschwund vorzubeugen und zu verlangsamen.
Darum hilft eine heiße Milch mit Honig
Es kratzt im Hals, die Nase läuft und der Kopf ist dicht – typische Symptome bei einer Erkältung. Viele Menschen greifen jetzt zu einem altbewährten Hausmittel: heiße Milch mit Honig. Das Duo ist bereits seit Jahrhunderten im Einsatz. Doch hilft es wirklich?
Wissenschaftliche Beweise gibt es dafür (noch) nicht. Viele Menschen vermuten, dass es am Tryptophan liegt, einer Aminosäure in der Milch, der schlaffördernde Wirkung zugeschrieben wird. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass die heiße Milch mit Honig vor allem unserer Psyche hilft – und das dann unserem Körper. „Das Heißgetränk signalisiert dem Körper, sich zu entspannen. Kleine, bewusste Schlucke helfen, den Stress des Tages abzubauen. Und wenn der Körper zur Ruhe kommt, beruhigt sich häufig auch der Hustenreiz“, erklärt Dr. Claudia Laupert-Deick. Übrigens: Die Sorge, Milch würde bei Erkältungen die Atemwege „verschleimen“, zählt laut dem Kompetenzzentrum für Ernährung zu den verbreiteten Milchmythen.
Eine moderne Variante des Klassikers: Goldene Milch mit Kurkuma. Mehr über regionalen Honig erfahrt ihr hier.
Wann sollte der Milchgenuss einschränkt werden?
Auch wenn Milch und Milchprodukte Gesundheit und Wohlbefinden fördern, sollte man in bestimmten Situationen auf sie verzichten.
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Laktose-Intoleranz bedeutet, dass der Körper wegen eines fehlenden Enzyms, der Laktase, den Milchzucker, die Laktose, nicht aufspalten und anschließend aufnehmen kann. Laktose ist natürlicherweise in vielen Lebensmitteln enthalten, insbesondere in Milch und Milchprodukten aller Tierarten. Etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen in Deutschland vertragen Milchzucker nicht oder nur schlecht. Die Beschwerden unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Mit Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfällen oder generellem Unwohlsein haben die meisten Betroffenen zu kämpfen.
Laktose-intolerante Menschen müssen nicht komplett auf Milchprodukte verzichten. Die meisten Betroffenen vertragen kleine Mengen Milchzucker ohne Beschwerden. Viele Milchprodukte enthalten ohnehin nur wenig davon: Joghurt, Kefir und Buttermilch haben weniger Laktose als Milch, gereifter Käse ist sogar praktisch laktosefrei. Welche Sorten besonders gut verträglich sind, lest ihr hier. Es lohnt sich auch, kleine Mengen regelmäßig zu essen. Dann gewöhnen sich die Darmbakterien an den Milchzucker und können ihn mit der Zeit besser verarbeiten. Bei völligem Verzicht geht dieser Effekt wieder verloren. Und wer ganz sichergehen will, greift zu laktosefreien Produkten mit weniger als 0,1 Gramm Laktose pro 100 Gramm.
„Übermäßiger Milchkonsum führt übrigens nicht zu einer Laktose-Intoleranz“, erklärt Ernährungsexpertin Dr. Claudia Laupert-Deick. „Die Intoleranz wird vererbt. Auch Krankheiten wie zum Beispiel Morbus Crohn können sie auslösen.“
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Eine Milcheiweiß-Allergie ist nicht dasselbe wie eine Laktose-Intoleranz. Wie der Name bereits sagt, reagiert der Körper bei einer Allergie auf Proteine, die in Milch und Milchprodukten enthalten sind. Die Antwort ist eine unverhältnismäßige Immunreaktion. Das kann zu Hautausschlag, Durchfall oder Erbrechen führen oder sogar einen allergischen Schock auslösen.
Manche allergieauslösenden Proteine lassen sich jedoch durch Hitze zerstören, weshalb einige Allergikerinnen und Allergiker erhitzte Milchprodukte wie Kakao oder H-Milch vertragen.
Wer unsicher ist, ob er unter einer Milcheiweiß-Allergie leidet, sollte zu einer Allergologin oder einem Allergologen gehen und einen Allergietest machen. Bestätigt sich der Verdacht, müssen Betroffene auf Milch und Milchprodukte verzichten. Doch Vorsicht: „Eine kuhmilchfreie Ernährung sollte immer mit Anleitung und Unterstützung eines qualifizierten Ernährungsberaters bzw. Ernährungsberaterin erfolgen! Denn gerade bei Kindern bedeutet der Verzicht auf Milch und Milchprodukte den Wegfall wichtiger Vitamin- und Mineralstoffquellen“, erklärt Dr. Claudia Laupert-Deick.
Zum Glück sind nur 2-3 % aller Kinder und Säuglinge von dieser Allergie betroffen, bei Erwachsenen sind es nur 0,6 %. Bei Kindern sollte der Allergietest alle paar Jahre wiederholt werden, um zu überprüfen, ob die Allergie noch vorhanden ist. Praktische Tipps für den Umgang mit einer Milcheiweiß-Allergie liefert die Website des Deutschen Allergiker- und Asthmabunds (DAAB).
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Einige Antibiotika gehen mit dem Calcium aus Milch und Milchprodukten Verbindungen ein, sodass der Körper die Medikamente dann nicht mehr optimal verwerten kann. Das kann die Wirkung des Medikaments herabsetzen. Das gilt auch für einige andere Wirkstoffe in Medikamenten, zum Beispiel Mittel, die beim Knochenaufbau helfen oder gegen Osteoporose eingesetzt werden. Grundsätzlich gilt: „Wer Medikamente einnimmt, sollte den Beipackzettel lesen und gegebenenfalls zeitnah vor und nach der Einnahme auf Milch, Käse, Quark und Co. verzichten“, empfiehlt Dr. Laupert-Deick.
Im Anschluss an eine Antibiotikatherapie können uns Milchprodukte dabei unterstützen, wieder richtig fit zu werden. Denn Antibiotika schwächen häufig unsere Darmflora, also die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die unseren Darm bewohnen. In der Folge einer Antibiotikabehandlung kann es somit zu Verdauungsproblemen kommen. Sauermilchprodukte wie Joghurt und Quark oder Buttermilch stärken die Mikrobiotika also die enthaltenen Mikroorganismen, und fördern so eine gesunde Darmflora.
Passen Milch und Milchprodukte zu einer nachhaltigen Ernährung?
Nachhaltigkeit in der Ernährung bedeutet weit mehr als nur Gesundheit – auch die Auswirkungen auf Umwelt und Klima spielen eine zentrale Rolle. Der Klimaschutz zählt zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Mit dem stetigen Wachstum der Weltbevölkerung wächst auch unser ökologischer Fußabdruck. Einige stellen sich da die Frage: Passen Milch und Milchprodukte – abseits der gesundheitlichen Aspekte – überhaupt noch zu einer nachhaltigen Ernährung? Der Mythos vom „Klimakiller Milch“ hält sich hartnäckig. Doch wie viel Wahrheit steckt dahinter?
Klar ist: Lebensmittel zu produzieren kostet Energie, Fläche, Wasser und mehr. Und es setzt Treibhausgase frei. Immer. Doch Bayern bietet ideale Bedingungen für Milchkühe, sodass die Haltung hierzulande umweltfreundlicher möglich ist als in anderen Ländern. Und: Der Verzicht auf tierische Lebensmittel würde bedeuten, dass mehr vegane Lebensmittel erzeugt werden müssen, um die Nährstoffe zu ersetzen. Darunter das hochwertige Eiweiß aus Milch. Warum dies nicht zielführend wäre und warum wir noch guten Gewissens tierische Lebensmittel zu uns nehmen können, erklärt Prof. Dr. Dr. habil. Wilhelm Windisch, Ordinarius für Tierernährung an der TUM School of Life Sciences im Interview. Und auch laut der „Planetary Health Diet“, einem Ernährungskonzept führender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, haben Milch und Milchprodukte einen Platz auf dem Speisezettel der Zukunft – in Maßen, aber mit gutem Gewissen.
Wie Milch und pflanzliche Drinks im direkten Vergleich und bezogen auf die Nährwerte bei Gesundheit und Nachhaltigkeit abschneiden, untersucht das Kompetenzzentrum für Ernährung übrigens seit 2025 in einem eigenen Forschungsprojekt. Was Kuhmilch und Pflanzendrinks heute schon unterscheidet, lest ihr auf unserer Seite Milch & Milchalternativen.
Weitere Entwicklungen, Projekte, Hintergründe und Expertenmeinungen rund um das Thema Landwirtschaft und Klimaschutz erfahrt ihr hier.
Häufige Fragen zu Milch und Gesundheit
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Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen täglich zwei Portionen Milch oder Milchprodukte. Das kann zum Beispiel ein Glas Milch und eine Scheibe Käse sein oder ein Becher Joghurt und zwei Scheiben Käse. Laut dem Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) muss man auch bei etwas größeren Mengen keine negativen Folgen für Herz und Kreislauf befürchten – bis 2024 hat die DGE drei Portionen empfohlen. Butter und Sahne zählen übrigens nicht zu den empfohlenen Portionen. Sie liefern vor allem Fett und nur wenige der wertvollen Milchnährstoffe.
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Nein. Milch gilt wegen ihrer vielen Nährstoffe als Lebensmittel und nicht als Getränk. Sie liefert Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe. Für die tägliche Flüssigkeitszufuhr empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung vor allem Wasser und ungesüßten Tee. Ein Glas Milch zählt dagegen zu den zwei Portionen Milchprodukte, die täglich auf dem Speiseplan stehen sollten.
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Laktosefreie Milch enthält die gleichen wertvollen Nährstoffe wie normale Milch, also Eiweiß, Calcium, Jod und B-Vitamine. Bei der Herstellung wird lediglich der Milchzucker (Laktose) mit einem Enzym in seine Bausteine aufgespalten. Deshalb schmeckt laktosefreie Milch etwas süßer. Für Menschen mit Laktoseintoleranz ist sie eine gute Möglichkeit, weiter von Milch zu profitieren. Für alle anderen hat sie keinen zusätzlichen Gesundheitsvorteil.
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Dafür gibt es bisher keine Belege. A2-Milch, manchmal auch „Urmilch“ genannt, unterscheidet sich von herkömmlicher Milch nur in einem kleinen Baustein des Milcheiweißes. Manche Menschen berichten, dass sie A2-Milch besser vertragen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht gesundheitliche Vorteile aber nicht als nachgewiesen an. Auch das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) führt die Aussage, „Urmilch“ sei gesünder und besser verträglich als Milchmythos.
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Weidemilch hat ein etwas günstigeres Fettsäuremuster. Laut dem Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) enthält Milch von Kühen, die den Sommer auf der Weide verbringen, mehr gesunde Omega-3-Fettsäuren als Milch von Kühen mit herkömmlicher Stallfütterung. Die wichtigsten Nährstoffe wie Eiweiß, Calcium, Jod und B-Vitamine stecken aber in jeder Milch. Für eine gesunde Ernährung ist deshalb jede Milch eine gute Wahl.
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Nein, Rohmilch hat keine belegten gesundheitlichen Vorteile. Sie wird nicht erhitzt und kann daher krankmachende Keime wie Listerien, EHEC oder Campylobacter enthalten. Rohmilch ab Hof, zum Beispiel aus der Milchtankstelle, sollte deshalb vor dem Trinken abgekocht werden. Beim Pasteurisieren bleiben die wichtigen Nährstoffe dagegen weitgehend erhalten. Wie sich die verschiedenen Milchsorten unterscheiden, lest ihr auf unserer Seite Haltbarkeit der Milch.
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Nicht eins zu eins. Pflanzendrinks aus Hafer, Soja oder Mandeln enthalten von Natur aus meist deutlich weniger Calcium, Jod und Vitamin B12 als Milch und sind nur selten mit allen diesen Nährstoffen angereichert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt deshalb vor einem höheren Risiko für Jodmangel, wenn Milch durch Pflanzendrinks ersetzt wird. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen zwei Portionen Milch oder Milchprodukte am Tag. Wer deutlich mehr isst, kann den Anteil über dieser Menge durch Pflanzendrinks ersetzen. Wer wenig oder gar keine Milch verwendet, sollte zu Pflanzendrinks greifen, die mit Calcium, Jod, Vitamin B2 und B12 angereichert sind. Mehr zu den Unterschieden lest ihr auf unserer Seite Milch & Milchalternativen.