Ölpflanzen aus Bayern

Aus den Samen und Kernen dieser Pflanzen werden hochwertige Öle gewonnen. In Bayern spielt das Öl jedoch eine untergeordnete Rolle, da die Erzeugung sehr aufwändig ist.


Rapsöl

Rapsöl ist das beliebteste Speiseöl Deutschlands. Kein Wunder, denn es ist auch eines der gesündesten.
Etwa 10 Gramm – ein Esslöffel – Rapsöl deckt fast den gesamten Tagesbedarf an Omega-3-Fettsäuren. Darüber hinaus enthält es viel zellschützendes Vitamin E. Rapsöl ist das Speiseöl mit dem niedrigsten Gehalt an gesättigten Fettsäuren und damit ideal für eine gesunde Ernährung. Dabei enthält kalt gepresstes Rapsöl mehr Vitamine und Nährstoffe als raffinierte Sorten. Es schmeckt intensiver, sollte aber nicht erhitzt werden. Raffinierte Rapsöle eignen sich dafür besser zum Braten bei hohen Temperaturen.

Idealerweise sollte Rapsöl an einem dunklen und kühlen Ort gelagert werden. Für bereits geöffnete Flaschen eignet sich der Kühlschrank hervorragend, wobei das Öl dann innerhalb von vier bis sechs Wochen aufgebraucht werden sollte. Eine verschlossene Flasche hält sich bis zu zwölf Monate.

Der Rapsanbau spielt in Bayern eine wichtige Rolle. Auch wenn die Verwendung als Speiseöl stetig zunimmt, wird das meiste Rapsöl immer noch für technische Anwendungen benötigt, vor allem für Biokraftstoffe. Bei der Pressung entsteht gleichzeitig ein hochwertiges Eiweißfuttermittel für unsere Nutztiere: Rapsschrot! Jedes in Deutschland produzierte Kilogramm Rapsschrot ersetzt ein Kilogramm Import-Sojaschrot.

Die ein- oder zweijährige, krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler erreicht Höhen von 30 bis 150 Zentimetern. Von dem Zeitpunkt, an dem die Pflanzen Blüten tragen, bis zur endgültigen Reife liegen etwa 75 bis 80 Tage. In Bayern wird hauptsächlich Winterraps angebaut, das heißt: Aussaat im Herbst, Ernte im darauffolgenden Frühsommer. Mit nur drei bis vier Kilogramm Saatgut lässt sich ein Hektar mit Raps bepflanzen. Ein Hektar Raps wiederum liefert durchschnittlich 3.600 Kilogramm Saat, aus dem 1.600 Liter Rapsöl gepresst werden.
Raps fördert die Aktivität des Bodens und dient der Humusbildung. „Der Raps ist für mich eine wichtige Frucht, denn er lockert die Fruchtfolge auf“, sagt Rapsbauer Rupert Schmid.

Übrigens: Felder voller gelber Blüten im Spätsommer und Herbst werden oft für Rapsfelder gehalten. Meist zu Unrecht: In der Regel handelt es sich zu dieser Zeit um Gelbsenf, der vor allem zur Gründüngung verwendet wird und ebenfalls zu den Kreuzblütlern gehört.

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Kürbiskernöl

Das dickflüssige, fast schwarze und charakteristisch schmeckende Kürbiskernöl ist ein beliebtes Öl für Salate und andere Speisen – vor allem, wenn sie von der österreichischen Küche inspiriert sind. Der Schwerpunkt der Produktion liegt bis heute in der österreichischen Steiermark, doch auch in Bayern wird Kürbiskernöl produziert. Zum Beispiel bei Familie Schnell in Kammerstein-Neppersreuth. Der Kürbishof, unweit von Nürnberg gelegen, hat eine eigene Kürbiskern-Ölmühle – die einzige in ganz Bayern! Weitere Informationen gibt es hier: www.schnells-kuerbiskerne.de

Das wertvolle Öl lässt sich übrigens bei weitem nicht aus allen 800 Kürbissorten pressen. Es wird entweder aus dem Gartenkürbis oder dem Riesenkürbis bzw. ihren Unterarten gewonnen.
Die Kerne dieser Sorten sind nur von einem zarten Silberhäutchen umschlossen und eignen sich daher optimal zur Pressung.

Direkt nach der Ernte, oft noch auf dem Feld, werden die Kerne zusammen mit etwas Fruchtfleisch aus dem Kürbis gelöst. Der Rest der Frucht bleibt als Dünger auf dem Feld. Anschließend reinigt und trocknet man die Kerne sanft – so können sie eingelagert und im Zweifel noch über das ganze Jahr verarbeitet werden. Vor der Pressung werden die Kerne dann schonend geröstet. Dieser Vorgang ist entscheidend für den späteren Geschmack und den Geruch des Öls. Manche Mühlen pressen die Kerne allerdings auch ungeröstet, um ein Maximum an gesunden Inhaltsstoffen zu erhalten. Für einen Liter des erlesenen Kernöls sind zwei bis drei Kilogramm Kerne nötig. Diese wiederum werden aus etwa 35 Kürbissen gewonnen. Aufgrund der geringen Öl-Ausbeute und der mühevollen Handarbeit gehört Kürbiskernöl zu den wertvollsten und teuersten Ölen überhaupt.

Kürbiskernöl enthält Inhaltsstoffe, die hochreaktive Sauerstoffmoleküle im Körper, die so genannten freien Radikale, abfangen. Linolsäure, Phytosterine, Magnesium, Calcium, Vitamin A bis E, Zink und Mangan erfüllen zahlreiche Aufgaben im Organismus und stärken das Immunsystem. Als Hausmittel gegen Blasenschwäche hat sich Kürbiskernöl ebenfalls einen Namen gemacht. Zum Kochen und vor allem Braten ist das kostbare Öl nicht geeignet. Beim Erhitzen gehen erstens die wertvollen Inhaltsstoffe verloren, zweitens entwickelt Kürbiskernöl einen unangenehm bitteren Duft und Geschmack.

Wer auf eine gute Qualität achtet, greift am besten zum kaltgepressten Öl aus der Region. Frische ist wichtig, deshalb sollte man Kürbiskernöl nicht zu lange aufbewahren: Tritt beim vorsichtigen Schnuppern der leichte, frische Nussgeruch zutage, ist alles in Ordnung. Falls das Öl jedoch fettig, dumpf oder sogar ranzig riecht, solle man es entsorgen. Wie alle Öle mag Kürbiskernöl es möglichst kühl und dunkel – idealerweise lagert es sogar im Kühlschrank, sobald es einmal geöffnet ist. Danach nur maximal zwölf Wochen aufbewahren. Ungeöffnet kann man eine Flasche dagegen bis zu zwölf Monate lagern.

Leinöl

Leinöl ist das Power-Öl schlechthin. Es wird aus dem Öllein, oder besser aus dessen Samen gewonnen. Leinsamen haben je nach Sorte eine braun- oder gelbglänzende Schale. Der Anteil an lebenswichtigen Omega-3-Fettsäuren ist so hoch wie bei keinem anderen Lebensmittel. Zudem sind sie reich an Eiweiß und Vitamin B.

Leinöl wirkt entzündungshemmend und kann Gelenkbeschwerden entgegenwirken. Es „ölt“ also im wahrsten Sinne des Wortes unser Getriebe. Darüber hinaus lässt Leinöl den Blutzuckerspiegel sinken und wirkt der Diabetes-Entstehung entgegen. Auch unser Herz- und Kreislaufsystem profitiert von den enthaltenen Omega-3-Fettsäuren: Ein Esslöffel Leinöl täglich reduziert das Risiko eines Infarkts, da die Nährstoff- und Energieversorgung angeregt wird und ein reibungsloser Ablauf zwischen Blutversorgung und Herz gefördert wird. Leinöl darf nicht erhitzt werden. Es sollte idealerweise kalt gepresst sein und möglichst frisch verwendet werden. Nach der Herstellung bleiben ungefähr acht Wochen, bis der nussige Geschmack nachlässt und das Öl anfängt ranzig zu werden; eine bereits angebrochene Flasche hält sich nur maximal drei Wochen. Daher empfiehlt es sich, die möglichst dunkle Glasflasche im Kühlschrank zu lagern, ohne dass Luft und Licht die wirksamen Inhaltsstoffe angreifen.

Die Herkunftspflanze des Leinöls, der Gemeine Lein, erreicht eine Höhe von 20 bis 100 cm und blüht nur zwischen Juni und August. Die meist hellblauen Blüten sind im Durchschnitt zu 95 Prozent selbstbestäubend. Flachs ist ein anderer Name für Lein und kommt bei der Textilherstellung zum Einsatz. Bevor das Allgäu zur Milchregion wurde, nannte man es „das blaue Allgäu“. Hier war der Flachs weit verbreitet.

Bei der Leinölproduktion Fallen sogenannte Leinkuchen an, die als Rinderfutter Verwendung finden. Dank der im Öl enthaltenen Schleim- und Schwebstoffe eignet sich das Leinöl wunderbar als Konservierungs- und Bindemittel für Farbe. Bei der Instandhaltung und -setzung von Holz fungiert das Öl als ein undurchlässiger Schutzmantel gegen Wasser und Schmutz. Doch Vorsicht! Werden Werkzeuge oder Textilien, die mit Leinöl in Kontakt gekommen sind unsachgemäß entsorgt, kann es zu ungewollter Selbstentzündung kommen. Um derartige Unfälle zu vermeiden, sollten durch Leinöl verunreinigte Textilien auf einer unbrennbaren Fläche zum Aushärten ausgelegt werden oder aber an der frischen Luft getrocknet werden. Die Lagerung wird ausschließlich in einem luftdichten Behälter empfohlen.
Für Pinsel gilt: In rohem Leinöl verwahren.