Der Milchpreis

An der Feststellung des sogenannten Milchpreises sind viele Akteure beteiligt. Alle sechs Monate (im Frühjahr und im Herbst) verhandeln die Molkereien und Handelskonzerne über die Lieferkonditionen für Trinkmilch. Aus Sicht des Handels ist dieser Zeitpunkt für die Verhandlungen günstig, da auf dem Weltmarkt – vor allem im Frühjahr – eine große Milchmenge vorhanden ist.


Was genau ist der Milchpreis eigentlich?

Beim Milchpreis wird grundsätzlich zwischen dem Auszahlungspreis (auch Erzeugerpreis), den die Molkereien an die Milcherzeuger zahlen, und dem Verbraucherpreis, den Konsumenten für die Ware im Handel ausgeben, unterschieden.
Der Grundpreis der Milch bezieht sich in allen Regionen Deutschlands, auf einen Fettgehalt von 4,0 Prozent und einen Eiweißgehalt von 3,4 Prozent. Gesetzlich ist die Berechnung des Auszahlungspreises in der Verordnung über die Güteprüfung und Bezahlung der Anlieferungsmilch (Milch-Güteverordnung) geregelt.
Der durchschnittliche Milchpreis in Bayern – ausbezahlt an den Landwirt – lag für konventionelle Milch im Dez. 2019 bei 33,99 Cent/kg. Jede Molkerei hat aufgrund ihrer Struktur ihren „eigenen Milchpreis“, saisonal und regional schwankend.


Wie setzt sich der Auszahlungspreis an den Landwirt zusammen?

Der Preis, den die Molkerei dem Landwirt bezahlt, ist der Auszahlungspreis, ganz allgemein Milchpreis genannt. Er wird in Cent je Kilogramm berechnet. Der Umrechnungsfaktor von Liter zu Kilogramm beträgt in Deutschland 1,03. Ein Liter Milch entspricht somit 1,03 Kilogramm.
Wie viel Geld ein Bauer für seine Milch bekommt, hängt von der gelieferten Rohmilchmenge, vom Fett- und Eiweißgehalt der Rohmilch und von weiteren Qualitätsmerkmalen wie der Keimzahl, der Zellzahl und den enthaltenden Hemmstoffen der Rohmilch ab.
Der Preis wird in Euro bzw. Cent pro Kilogramm berechnet und setzt sich aus einem Grundpreis, den möglichen Zuschlägen für höhere Fett- und Eiweißgehalte sowie der Mehrwertsteuer zusammen.

 

1 Die Grafik zeigt ein simples Beispiel einer standardisierten Milch (Discounter-Vollmilch). Sie stellt die Kostenverteilung für
die Herstellung eines Liters Trinkmilch dar. Das heißt, wer davon welchen Anteil erhält, wird in der Grafik aufgeschlüsselt.
2 für konventionelle Kuhmilch ab Hof

Quelle: www.ife-ev.de, ife Kiel, Oktober 2018

Was entscheidet über die Preise im Regal?

Der Preis der Milch hängt von  der gelieferten Rohmilchmenge und Qualität, der Verbrauchernachfrage, politischen Entscheidungen auf nationaler und internationaler Ebene sowie der (regionalen) Wettbewerbersituation ab.

Die Preise, die die Kunden für eine Packung Milch im Lebensmitteleinzelhandel bezahlen, hängen also nicht – wie bei anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen – von Großmarktpreisen ab. Der Milchpreis wird nicht von den Molkereien diktiert. Vielmehr handeln die Handelsketten mit den Molkereien die Preise aus. Zusätzlich gehören zur Verarbeitungs- und Lieferkette die unterschiedlichsten Partner, die für ihre Leistung bezahlt werden müssen. Neben dem Auszahlungspreis nehmen die Produktionskosten in der Molkerei, die Verpackungskosten, Kosten für Lagerung, Auslieferung und Lagerung im Handel, der anteilige Aufwand für Verkaufsstätten, Verkauf sowie die Mehrwertsteuer Einfluss auf den Milchpreis.


Warum gibt es keinen Mindestpreis?

Einen Milchmindestpreis müsste das EU-Parlament in Brüssel festlegen. Bei den unterschiedlichen Produktionskosten in Europa ist dies aber ein schwieriges Unterfangen, das den Druck auf die deutschen Landwirte eher erhöhen würde.
Viele Verbraucher würden gerne mehr für Milchprodukte zahlen, wenn das Geld direkt bei den Landwirten ankäme. Jedoch ist der entscheidende Käufer nicht der Verbraucher, sondern der Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Hier stehen Discounter und Supermärkte im Wettbewerb und drücken den Preis.
Der Einzelhandel macht dabei eine so genannte Ausschreibung. Das heißt, die Molkereien haben die Möglichkeit, Angebote für die Lieferung von bestimmten Mengen an genau festgelegten Produkten abzugeben. Dabei konkurriert die Molkerei mit den Angeboten anderer Milchverarbeitungsbetriebe – früher auf regionaler und nationaler Ebene, heutzutage auch auf internationaler Ebene. So konkurrieren deutsche Produkte mit importierten und oftmals günstiger produzierten Produkten aus dem Ausland.
Nach Sichtung der eingegangenen Angebote treten die Handelsunternehmen mit den Molkereien in Verhandlungen, die schließlich zum Vertragsabschluss zugunsten des einen oder anderen Anbieters führen. Diese Vertragsabschlüsse haben in den Folgemonaten eine entscheidende Auswirkung auf den Grund- und Auszahlungspreis, den eine Molkerei – ob genossenschaftlich oder privatwirtschaftlich organisiert – ihren Milchlieferanten auszahlen kann.