Gut gehaltene und gesunde Tiere: ein Beitrag zur Nachhaltigkeit

Längst ist klar: Ökonomie und Ökologie können und müssen Hand in Hand gehen – das gilt auch für die landwirtschaftliche Tierhaltung. Nur Landwirte, die verantwortungsvoll, sprich: nachhaltig mit ihren Tieren umgehen, erhalten sich ihre Lebensgrundlage auf Dauer. Umgekehrt werden Tierquälereien in der Landwirtschaft – zum Glück ein extrem seltenes Phänomen, das bei kleineren und mittleren Betrieben fast nicht auftritt – früher oder später aufgedeckt. Sie mögen vorübergehend zu Profiten führen, bedrohen aber langfristig immer die Existenz des Betriebes.

Was ist Tierwohl?

Trotzdem ist die Definition von „Tierwohl“ in der Landwirtschaft umstritten. Was den einen zu weit geht, ist für die anderen kaum der Rede wert. Unsere bayerischen Bauern befinden sich mitten in diesem Spannungsfeld unterschiedlicher Ansprüche sowie eigener Möglichkeiten und Überzeugungen. Wichtig ist, immer den einzelnen Betrieb anzuschauen, anstatt zu verallgemeinern. Wer mal einen Tag lang auf einem Bauernhof mitgeholfen hat – wie in diesem Sommer unsere Urlaubspraktikanten – der hat dabei einen Einblick erhalten, was gelebtes Tierwohl bedeutet.


Zum einen geht es darum, die natürlichen Bedürfnisse der Tiere und deren angeborene Verhaltensweisen zu berücksichtigen. Kühe etwa wollen viel liegen und brauchen hierfür Raum und Gelegenheit. Hühner müssen scharren und picken, und Puten sind verspielte Wesen, die regelmäßig neues Spielzeug benötigen. Das sind aber nur einige Beispiele – für alle Tierarten gibt es solche Erkenntnisse. Und es zeigt sich, dass Tiere, die ihre natürlichen Instinkte optimal ausleben können, nicht nur zufriedener und ausgeglichener, sondern vor allem auch gesünder sind.

Zum anderen hat der Gesetzgeber Mindeststandards (Tierschutzgesetz) festgelegt, an die sich die Bauern in ihrer Arbeit halten müssen. Darin sind unter anderem Platzbedarf, Klimatisierung, Fütterung, medizinische Behandlung und Kontrollen festgelegt. Näheres zu den Tierhaltungsstandards finden sich auf unseren Haltungsseiten. Viele Landwirte gehen aber in der Praxis über diese Verpflichtungen hinaus. Einige sind äußerst kreativ, wenn es darum geht, ihren Tieren ein Plus an Platz, Komfort, Pflege und Abwechslung zu ermöglichen. Wichtig ist aber zu wissen: Landwirtschaftliche Tierhaltung ist Nutztierhaltung und hat das Ziel, Menschen mit Lebensmitteln oder anderen Erzeugnissen tierischen Ursprungs zu versorgen. Allerdings kann jeder Verbraucher kann frei entscheiden, ob er tierische Erzeugnisse nutzen möchte oder nicht.

Tierwohl auf den ersten Blick

Seit einiger Zeit gibt es in Deutschland auf Verpackungen von Fleisch eine Haltungskennzeichnung. Sie reicht von „Stallhaltung“ bis „Premium“ und soll Verbrauchern ermöglichen, durch ihr Einkaufsverhalten über das Tierwohl mitzuentscheiden. Das Landwirtschaftsministerium arbeitet außerdem an der Einführung eines freiwilligen dreistufigen staatlichen Tierwohlkennzeichens. Damit soll in Zukunft für den Verbraucher am Produkt noch deutlicher erkennbar sein, unter welchen Bedingungen Tiere gehalten werden. Das Label umfasst Maßnahmen von der Geburt der Tiere bis zu ihrer Schlachtung und soll zunächst für Schweine gelten.

Mehr Tierwohl dank Technik

Landwirtschaft ist ein Prozess, kein Zustand. Deshalb arbeiten die Bauern stetig an Wegen, Tierhaltung noch besser und nachhaltiger zu machen. Wie dabei moderne Technik zum Einsatz kommen kann, zeigen wir in unserer Videoserie „Landwirtschaft heute“.

Nicht zwangsläufig ist die Weide der einzig wahre Weg zu mehr Tierwohl. Hier seht ihr, wieviel Kuh-Komfort ein moderner Laufstall bietet: Moderne Milchviehhaltung

Schweine können nicht schwitzen. Damit es ihnen bei hohen Temperaturen trotzdem gut geht, arbeiten verantwortungsvolle Landwirte mit Hightech: Schweinekühlung

Landwirtschaftlicher Wildtier- und Insektenschutz

Tierwohl und Tierschutz sind aber nicht nur im Stall wichtig. Auch sonst hat Landwirtschaft erheblichen Einfluss auf die Tierwelt. Zahlreiche Vorgehensweisen und Maßnahmen sollen verhindern, dass zum Beispiel Wildtiere beim Ackerbau zu Schaden kommen. Bei der so genannten Rehkitzrettung werden Felder vor der Bearbeitung oder Mahd via Drohne mit Wärmebildkameras abgesucht. Erst wenn kein Tier mehr im Feld ist, dürfen die Maschinen fahren. Seit dem 19. Mai 2021 können beim Bund Fördermittel für eine Drohne mit Wärmebildkamera beantragt werden. Kleineren Wildtieren bieten die von den Bauern gesäten und oft hoch wachsenden Zwischenfrüchte Schutz vor natürlichen Feinden, etwa Greifvögeln. Auch Insekten finden hier spät im Jahr noch Nahrung. A propos Insekten: Sie stehen ganz oben auf der Tier- und Artenschutzliste der Bauern. Die Maßnahmen zu ihrem Schutz reichen von Blühstreifen und Blühpatenschaften über Bienenweiden wie Raps bis hin zum perfekten Timing beim Ausbringen von Pflanzenschutz, das die Flugzeiten der Insekten berücksichtigt.

Quellen:
https://www.ble.de/DE/Themen/Landwirtschaft/Tierwohl/tierwohl_node.html
https://www.agrarheute.com/tag/tierwohl
https://www.tierwohl-staerken.de/nutztiere/themen/landwirtschaft-verstehen

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