Weihnachten auf dem Land

Weihnachten auf dem Land – das klingt nach heimeliger Wärme am Holzofen, nach Astrid Lindgren, Lebkuchen, Schnee und duftenden Tannenzweigen. Doch wie „romantisch“ geht es wirklich zu bei unseren Landwirten? Mit welchen Traditionen und Ritualen feiern sie den Advent und Weihnachten? Und was können wir davon lernen oder für uns übernehmen?

Wir haben unsere Bauern kurzerhand selbst gefragt.


Das „Zauberhüttle“

Kartoffelbäuerin Katja Ölberger aus Senden ist eine von den vielen, die um die fehlenden Weihnachtsmärkte in diesem Jahr trauern. Um dennoch das Beste aus der Situation zu machen, hat sich Familie Ölberger etwas Besonderes ausgedacht:

„Wir lieben die Vorweihnachtszeit mit dem Duft von Plätzchen und Glühwein, den Lichtern, dem Weihnachtsschmuck, der Weihnachtsmusik und besonders den Weihnachtsmärkten. Leider fallen dieses Jahr alle Weihnachtsmärkte aus. Aber nicht mit uns! Wir wollten unseren Kunden wenigstens einen Hauch von „Weihnachtsmarkt“ beim Kommen und Gehen schenken. So haben vor unserem Laden ein kleines romantisches „Zauberhüttle“ aufgestellt. Natürlich darf ein großer Weihnachtsbaum, viele bunte Kugeln und Lichter auch nicht fehlen, genauso wenig wie das heimelige Knistern eines schönen Feuers. Auch, wenn sie nicht wirklich verweilen können: Wir schenken unseren Kunden zumindest einen ‚gefühlten‘ Weihnachtsmarkt-Einkauf. Bei uns bekommen sie jetzt auch Bienenwachskerzen, Lebkuchen, Nüsse, Schoko-Nikoläuse oder zu bestimmten Tagen eine knusprige Waffel mit Puderzucker. Weihnachtliche Genüsse, die sie mitnehmen und an denen sie sich noch eine ganze Weile freuen können. Und wir uns mit ihnen.“

„Weihnachten in der Tüte“

Heißer Punsch, süße Leckereien, festliche Stimmung… Auch unsere Direktvermarkterfamilie Reck aus dem fränkischen Hambach freut sich schon sehr auf Weihnachten. Und auch sie will ihre Kunden ein wenig darüber hinwegtrösten, dass der traditionelle Weihnachtsmarktbesuch in diesem Jahr ausfallen muss. Normalerweise veranstalten die Recks am 3. Adventswochenende auf ihrem schönen Hof sogar einen eigenen Weihnachtsmarkt, der weithin bekannt ist.

Kein Grund für Susanne Reck, kreative Bäuerin und begeisterte Köchin, auf festliche Stimmung und adventliche Schmankerl zu verzichten. Ihr Rezept: „Weihnachten in der Tüte.“

„Unsere Hofladenbesucher können sich eine Portion Adventsfeeling schön verpackt in einer Tüte mit nach Hause nehmen. Dafür habe ich in den letzten Wochen viel gebacken und gekocht. Unter anderem gibt es Kesselsuppe, Glühmost, Eierpunsch, Lebkuchen, Plätzchen, Kürbissuppe und vieles mehr.“

Da wird einem gleich ganz warm ums Herz!

Tradition & Lebkuchen

Familie Mayerhofer betreibt in Vogtareuth einen Milchbauernhof. Die fünfköpfige Familie genießt die Adventszeit sehr: „Weihnachten ist bei uns eine sehr harmonische Zeit“, sagt Monika Mayerhofer. „In der Adventszeit, mit Vorbereitungen und Hofladen-Trubel, geht es meist noch etwas stressig zu. Dann ist Weihnachten für uns die Auszeit, um neue Kraft zu schöpfen. Gemeinsames Musizieren und Singen sind bei uns fester Bestandteil in der Weihnachtszeit.“

An den festen Ritualen und Traditionen ändert auch das Corona-Virus nichts:
Die Tannenzweige für den selbstgebundenen Adventskranz bringt der Opa jedes Jahr aus dem eigenen Wald, auch der Christbaum, der traditionell geschmückt wird, ist aus heimischem „Holz“.

Die Mayerhofers sind eine kreative Familie: In der Holzwerkstatt fertigen Monika und Hans meist kleine Geschenke und Deko aus Holz.

Gemeinsam mit den Mädchen backt Monika ihre Weihnachtsplätzchen, „Guatl“ genannt, und Lebkuchen.

Hier geht’s zum Rezept für Monikas Lebkuchen Nürnberger Art.

Heiligabend auf dem Milchbetrieb

Auch auf dem Milchbetrieb der Familie Buchberger kehrt zu Weihnachten ein wenig Ruhe ein… Allerdings wollen die Kühe wie immer ganz normal versorgt sein. Hier Sabines Bericht, wie ein 24. Dezember auf ihrem Hof aussieht.

„Wie an jedem Morgen, klingelt auch am 24.12. der Wecker für uns. Es ist 5.30 Uhr und der Tag startet für uns im Kuhstall, mit Melken und Füttern der Kälber. Beim Melken habe ich Zeit, mir über den Verlauf der nächsten Tage Gedanken zu machen, schließlich ist Heiligabend und Weihnachten. Nach dem Frühstück trennen sich vorläufig die Wege in unserer Familie, denn es muss noch eingekauft werden, aber die Tiere müssen auch an diesem Tag versorgt sein. Es geht also ans Futtermachen, anschließend werden noch wichtige Arbeiten erledigt, denn die nächsten Tage lassen auch wir es, so gut wie möglich, ruhiger angehen. Nachdem also alle noch zu erledigenden Arbeiten über den Tag abgeschlossen werden konnten, geht es wieder in den Stall. Jetzt kommt langsam die Freude auf den Abend hoch, ich genieße nochmal die Zeit mit meinen Kühen, kuschel mit ihnen, vergewissere mich, dass alle wohlauf sind und wünsche ihnen schöne Weihnachten. Manchmal kommt es auch vor, dass noch eine Kuh zum Kalben ansteht und wir ein Christkind 😉 bekommen. Nach der Stallarbeit wird sich schnell frisch gemacht, denn bei uns ist es Tradition, dass die Familie an diesem Abend bei uns zusammenkommt. Da wir nicht die Zeit haben, ein fünf Gänge Menü vorzubereiten gibt es bei uns am Heiligabend einfach Wiener und Weißwürste mit Semmeln und Brezen. Einfach, aber dennoch sind alle zufrieden. Es wird in Ruhe gegessen und geredet. Da wir nun alle schon älter sind, läuft die Bescherung bei uns mittlerweile ruhiger ab als früher. Wir gehen nach dem Essen zum gemütlichen Teil ins Wohnzimmer hinüber. Es werden in Ruhe Geschenke ausgetauscht, Plätzchen gegessen – und vor allem Omas Punsch darf nicht fehlen. Nach einigen geselligen Stunden ist meist so gegen Mitternacht der Abend zu Ende und wir gehen ins Bett. Schließlich müssen wir am nächsten Tag in aller Früh wieder raus. Die beiden Weihnachtsfeiertage verbringen wir in Ruhe mit der Familie und lassen es ruhiger angehen. Aber natürlich kümmern wir uns ebenso sorgfältig um unsere Tiere wie alle anderen Tage im Jahr auch. Schließlich wissen die Kühe ja nicht, dass Weihnachten ist!“

Und hier haben wir noch etwas Besonders für euch: eine kleine Weihnachtsgeschichte.


Franz Kinker: "Unser Weihnachten auf dem Land"

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir fünf Geschwister an Heiligabend dichtgedrängt in der Küche saßen und gespannt auf die Wohnzimmertüre starrten, wann die sich den endlich öffnet und wir unsere Geschenke auspacken dürfen. Unruhig rutschten wir auf unseren Hintern hin und her, zappelten mit den Füßen und fragten uns gegenseitig, was das Christkind denn heuer wohl bringen mag. Sollte es die lange ersehnte Puppenküche für die Mädchen sein, oder die Lego Eisenbahn, auf die wir Jungs schon ewig warteten? Egal, das Christkind wird es schon wieder recht machen, so wie jedes Jahr. Es hat unsere Wünsche meist ganz gut getroffen, und so wird es auch heuer wieder sein.

Wenn nur die ewige Warterei nicht wäre. Durchs Schlüsselloch blinzeln und beobachten, was drinnen in der Stube so abgeht, das funktionierte nicht. Das hatten wir schon getestet. Irgendjemand hat von innen Zeitungspapier oder sonst was ins Loch gesteckt. Und die Glasscheibe, mit der man sonst in den Nachbarraum schauen konnte, die war von innen mit einem Tuch abgehängt.

Uns blieb also nichts anderes übrig, als in der Küche auf Kohlen zu sitzen und abzuwarten, wann das kleine Glöckchen dreimal ertönt. Das Glöcklein, das am Christbaum hängt, das wird vom Christkind geläutet, wenn alle Geschenke unterm Baum liegen. So erzählten uns das die Eltern, und wir glaubten das. Als Kind sowieso, weil es meine Mutter sehr einleuchtend darbrachte, und später, als wir größer waren und Zweifel an dem Verfahren hatten, war es einfach schön, noch daran zu glauben.

Als Ältester und praktisch Denkender war es mir zusehend schleierhafter, wie das Christkind die zum Teil großen Geschenke wie die Puppenküche durch das gekippte Fenster der Stube bringen sollte. Meine Mutter habe ich dahingehend des Öfteren gefragt, bekam aber keine für mich plausible Antwort. Ich gab mich dann mit ihrer Erklärung zufrieden, dass das Christkind von Gott kommt, und dass der liebe Gott alles kann.

Vor der Bescherung war meine Mutter meist noch am Küchenherd beschäftigt. Wie immer gab es an Heiligabend Wienerle mit Kartoffelsalat. Die Heiligabend- Wienerle waren übrigens die besten Wienerle, die es auf der Welt gab! Keine Würste, die es während des Jahres zu essen gab, waren so gut wie die, die an Heiligabend im Kochtopf lagen. Das empfinde ich auch heute noch so, obwohl ich schon auf die 60 zugehe.

Vater saß indes bei uns am Küchentisch und beobachtete seine fünf Sprösslinge. Wenn die Unruhe am Tisch zu groß wurde, und er von seiner Frau das heimliche Signal bekam, es könne bald losgehen, stand er auf und ließ uns wissen, dass er nochmal in den Stall zu den Kühen schauen müsse. Dass er das als guter Bauer jeden Abend tat, das war uns bekannt. Von daher schöpften wir in den Kinderjahren keinen Verdacht, dass an dieser Story etwas faul sein konnte. In Wahrheit ging er zur Küche hinaus, bog statt rechts zum Stall, nach links ab und schlich so leise es ging bei der zweiten Eingangstüre zur Stube im Dunkeln zum Christbaum.

Als wir das dreimalige Klingeln vernahmen, waren wir nicht mehr zu bremsen. Alle sprangen auf, eilten zur Wohnzimmertüre und konnten es kaum mehr erwarten, die Geschenke zu erblicken. Umständlich kramte Mutter in ihrer Schürze nach dem Schlüssel der Türe, fummelte ewig umher bis der Papierstopfen auf den Boden fiel und drehte dann endlich den Schlüssel um.

Vater nutzte die Zeit, in der Mutter mit dem Schlüssel rumtrödelte, um aus der Stube zu entwischen. Nach ein paar Minuten, die er sicher wartend im Hausgang stand, kam auch er wieder in die Küche und konnte miterleben, wie wir Kinder mit großen Augen und freudestrahlend nach unseren Geschenken suchten.

Im Radio lief derweil in Bayern 1 das Glockenläuten aus aller Welt. Uns störte das nicht, denn wir Kinder waren so im Eifer, dass uns das Gebimmel völlig egal war. Was jetzt zählte war die Tatsache, ob der neue Pulli passte und cool war, ob der Lego- Baukran stabil war und ob die neue Lok kräftig genug war, um die Güterzüge auf der Modelleisenbahn zu bewegen.

In all den Jahren hatte Mutter mehrmals versucht, gemeinsam mit uns Weihnachtslieder zu singen. Daran war nicht zu denken. Mit ihrem Gesang stand sie alleine im Wohnzimmer. Und nachdem Vater auch keinen Bock darauf hatte, ließ sie von ihrer Gesangseinlage ab. War auch ganz gut so, denn wir hatten ja noch das Glockengeläut von Bayern 1.

Als dann alle Geschenke ausgepackt waren, jeder wusste was ihm gehörte, rief uns Mutter zu Tisch damit es nicht alle Wienerle vollständig zerriss. Die geplatzten Wiener musste meist Vater essen. Dem war es egal und er kam mit den Platzwürsten gut zurecht. Wir Kinder nutzten die Gelegenheit und stopften uns mit den allerweltsbesten Wienerle so voll, bis uns schlecht wurde. Das gehörte an Weihnachten einfach dazu. Sonst war es nicht Weihnachten.

Diese Traditionen haben meine Frau und ich von meinen Eltern übernommen und wir pflegen sie noch heute. Klar, das mit dem Glöckchenklingeln ist aufgrund des Erwachsenseins unserer Kinder weggefallen, und auch vieles andere. Aber die Heiligabend-Wienerle, die sind noch immer die allerweltsbesten Wienerle.