Vom Ferkel bis zum Mastschwein
Schweinehaltung in Bayern
Deutschland ist Europas zweitgrößter Schweinefleischerzeuger mit Schwerpunkt in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Doch auch Bayern spielt eine wichtige Rolle: Hier halten rund 3.160 Betriebe gut 2,4 Millionen Schweine, so das Bayerische Landesamt für Statistik. Im Schnitt sind das rund 770 Tiere pro Hof. Manche Betriebe haben sich auf die Ferkelerzeugung spezialisiert, andere auf die Mast. Wieder andere begleiten ihre Tiere von der Geburt bis zur Schlachtreife. Wie lebt ein Schwein in Bayern, welche Haltungsformen gibt es und was tun Bäuerinnen und Bauern für die Gesundheit ihrer Tiere? Das erfahrt ihr auf dieser Seite.
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Mehr InformationenWas ist der Weg des konventionellen Schweins?

- Im Deckzentrum wird die Zuchtsau künstlich besamt und bleibt dort für etwa eine Woche. Die künstliche Befruchtung bietet Zuchtbetrieben einen entscheidenden Vorteil: Sie sichert die bestmögliche Genetik. So lassen sich gezielt erwünschte Eigenschaften von Generation zu Generation weitergeben – von Fleischqualität über Gesundheit bis hin zu Mütterlichkeit.
- Im Wartestall verbringt eine Gruppe tragender Zuchtsauen ca. 115 Tage bis zur Geburt der Ferkel.
- Die Zuchtsau bringt etwa zweimal pro Jahr Nachwuchs zur Welt. Pro Wurf gebärt sie durchschnittlich zwölf Ferkel. In ihrem Leben wirft eine Zuchtsau im Durchschnitt insgesamt sechs Mal.
- Etwa fünf Tage vor der Geburt der Ferkel wird die Zuchtsau in die Abferkelbucht gebracht, wo sie bis zu vier Wochen nach der Abferkelung bleibt. In dieser Zeit wird sie normalerweise im Kastenstand fixiert und säugt dort ihre Jungen. „Man nennt es auch Ferkelschutzkorb“, erklärt Greta Albrecht, Landwirtin in der Schweinezucht. „Ein neugeborenes Ferkel ist noch sehr klein und tapsig. Es wiegt nur etwa 1,5 bis 2 Kilogramm, dagegen wiegt eine Muttersau bis zu 220 Kilogramm. Deshalb kommt der Ferkelschutzkorb zum Einsatz – er sorgt dafür, dass die Sau nicht versehentlich ihren Nachwuchs verletzt oder gar erdrückt.“
- Nach der Säugezeit gelangen die Ferkel mit einem Gewicht von ca. 10 kg in die Ferkelaufzucht, wo sie etwa zwei Monate bleiben. Die Zuchtsauen kehren zurück in ihre Sauengruppe im Deckzentrum.
- Sobald die jungen Schweine ca. 30 kg wiegen, kommen sie für vier Monate in die Schweinemast.
- Die Schlachtung erfolgt im Alter von sechs Monaten bei einem Gewicht von 110 bis 120 kg.
- Nach der Schlachtung wird das Tier in der Verarbeitung zu verschiedenen Fleischprodukten weiterverarbeitet.
- In Deutschland verbrauchen wir rund 2,9 Millionen Tonnen Schweinefleisch, produzieren aber deutlich mehr. Im Jahr 2023 haben wir rund 2,2 Millionen Tonnen Schweinefleisch exportiert, davon gingen 1,9 Millionen Tonnen in die EU. Die Hauptabnehmer sind Italien, Polen und Österreich.
So werden Schweine in Bayern gehalten
Tierwohl spielt in Bayerns Schweinställen eine immer größere Rolle. Nicht nur für Landwirtinnen und Landwirte. Auch im Handel steigt die Nachfrage nach entsprechenden Produkten. Doch die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher, so bedauern viele Bäuerinnen und Bauern, seien oft noch nicht bereit, für ein Plus an Tierwohl auch mehr Geld zu bezahlen. Dennoch: Die Schweinezucht und -haltung in Bayern entwickelt sich stetig weiter. Hand in Hand mit der Wissenschaft finden Bäuerinnen und Bauern neue Möglichkeiten für mehr Tierwohl und Tiergesundheit – sowohl in der konventionellen als auch in der Bio-Haltung. Bei Bio nimmt Bayern eine Vorreiterrolle ein. Der Anteil der Schweine, die in Bio-Betrieben aufwachsen, ist nirgendwo so hoch wie hierzulande.
In Deutschland gibt es unterschiedliche Haltungsformen, die jeweils festen Vorgaben folgen. Alle Betriebe, unabhängig von der Haltungsform, halten sich an gesetzliche Standards für Tierwohl, Hygiene und Fütterung. Das bedeutet: Jede Haltungsform erfüllt festgelegte Anforderungen, um die Gesundheit und das Wohl der Tiere zu gewährleisten. Und diese Anforderungen für Tierwohl, Fleischqualität und Umweltschutz sind in Deutschland um einiges höher als in vielen Herkunftsländern von Importware.
Um Verbraucherinnen und Verbrauchern eine bessere Orientierung beim Einkauf zu bieten, wurde die Haltungsform-Kennzeichnung eingeführt. Bis Mitte 2024 bestand sie aus vier Stufen, seitdem gibt es eine fünfte Stufe, um eine noch klarere Differenzierung zwischen konventioneller und Bio-Haltung zu ermöglichen. Grundsätzlich gilt: Je höher die Haltungsform, desto weitreichender sind die Anforderungen an Platzangebot, Stallklima, Fütterung und Zugang zu Außenbereichen. Haltungsformen.de bietet eine Übersicht der Kategorien zum Download und Ausdrucken.
Prävention statt Behandlung
Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere stehen in der Schweinehaltung im Fokus. Dabei hat sich gezeigt: Prävention ist der beste Schutz vor Krankheiten und Verhaltensstörungen. Denn wenn ein Schwein erkrankt, sind medizinische Behandlungen notwendig, die mit Aufwand und Kosten verbunden sind. Deshalb setzen viele Landwirtinnen und Landwirte auf vorbeugende Maßnahmen, um gesundheitliche Probleme von vornherein zu vermeiden. Eine Besonderheit der Schweinehaltung ist hier auch die beratende Rolle der Tierärztinnen und Tierärzte des Tiergesundheitsdienstes (TGD) Bayern oder spezialisierter Schweine-Tierärzte und -Tierärztinnen in eigener freier Praxis, die mit den Halterinnen und Haltern zusammenarbeiten, um die Gesundheit der Schweineherde zu gewährleisten.
Ein wichtiges Thema in der Schweinehaltung ist das Schwanzbeißen. Schweine sind neugierige Tiere und reagieren empfindlich auf Stress oder Unterforderung. Fehlt es ihnen an Beschäftigung, kann es vorkommen, dass sie die Schwänze ihrer Artgenossen anknabbern – mit schmerzhaften Verletzungen und möglichen Entzündungen als Folge. Um dies zu verhindern, war das Kupieren der Schwänze, also das Kürzen, lange gängige Praxis. Allerdings wurde das routinemäßige Kupieren mit dem „Nationalen Aktionsplan Kupierverzicht“, der am 1. Juli 2019 in Kraft trat, verboten. Demnach ist Kupieren nur noch in Einzelfällen erlaubt. Dafür müssen Betriebe nachweisen, dass bereits Verletzungen durch Schwanzbeißen aufgetreten sind. Vor dem Kupieren müssen alternative Maßnahmen erfolglos geblieben sein. So fasst Sabine Rudin, Tierärztin und Leiterin der LVK-Stabstelle Tierwohl und Gesundheit, zusammen: „Es gibt keine Ideallösung, die für jeden Betrieb funktioniert. […] Aber es gibt sie, die Betriebe, die es schaffen, gut mit Langschwänzen zurechtzukommen.“
Heutzutage liegt der Fokus auf alternativen Präventionsstrategien. Dazu gehören:
- Optimierung der Haltungsbedingungen: Mehr Platz pro Tier und Zugang zu Außenbereichen können Stress reduzieren.
- Bereitstellung von Beschäftigungsmaterial: Organische Materialien wie Stroh oder Heu fördern das natürliche Wühlverhalten und lenken von unerwünschtem Verhalten ab.
- Angepasste Fütterung: Eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Fressplätze minimieren Konkurrenz und Stress.
- Verbesserung des Stallklimas: Eine gute Belüftung und angenehme Temperaturen tragen zum Wohlbefinden der Tiere bei.
Durch diese Maßnahmen kann das Risiko von Schwanzbeißen deutlich gesenkt werden – und damit auch der Kupierverzicht weiter vorangetrieben werden.
Mit Hightech zu gesunden Schweinen
Immer mehr Landwirtinnen und Landwirte nutzen moderne Technik, um das Tierwohl in der Stallhaltung zu verbessern. Computergesteuerte Fütterungs- und Klimaanlagen sind in der Schweinehaltung an der Tagesordnung – so wie bei Schweinebauer Michael Wittmann, auf dessen Hof in Niederbayern rund 3.000 Schweine leben. Der Schweinemäster nutzt dafür eine spezielle App auf seinem Smartphone. Mit ihr hat er den Futter-Mix für seine Tiere, die Heizung und die Lüftung rund um die Uhr im Blick und kann sie schnell und von überall aus anpassen. Frischluft ist ein Muss – doch Zugluft zum Beispiel mögen Schweine nicht.
Doch der Landwirt verlässt sich nicht nur auf seine Technik. Täglich geht er durch seinen Stall und beobachtet seine Tiere genau. Dieser enge und direkte Kontakt zwischen Mensch und Tier ist essentiell, um mögliche Krankheiten und Verhaltensauffälligkeiten früh zu erkennen und gegebenenfalls einen Tierarzt bzw. eine Tierärztin einzuschalten.
Wie eine moderne Klimatisierung im Schweinestall funktioniert, erklärt Landwirt Lorenz im Video:
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Mehr InformationenKontrollierte Qualität aus Bayern
Wissen, wo es herkommt – dafür sorgt das Siegel „Geprüfte Qualität Bayern“ (GQ-Bayern) auch bei Schweinefleisch. Wer beim Einkauf auf dieses Zeichen achtet, kann sicher sein: Hier steckt echte bayerische Landwirtschaft drin.
Die Schweinehaltung in Bayern findet fast ausschließlich in Familienbetrieben statt – vom kleinen Nebenerwerbsbetrieb bis zu mittelgroßen Höfen, auf denen fest angestellte Mitarbeitende die Familie unterstützen. Besonders charakteristisch für die bayerische Schweinehaltung ist die Flächenbindung: Der größte Teil des Futters wird auf betriebseigenen Feldern oder auf Ackerflächen von benachbarten Betrieben erzeugt. Dadurch entsteht eine Kreislaufwirtschaft, bei der Landwirtinnen und Landwirte lokale Ressourcen optimal nutzen und die Schweine mit hochwertigem, regionalem Futter versorgen. Das GQ-Bayern-Siegel garantiert, dass das Schwein in Bayern geboren, aufgezogen und geschlachtet wurde. Das garantiert nicht nur regionale Wertschöpfung und kurze Transportwege, sondern auch strenge Tierwohlstandards, deren Einhaltung regelmäßig überprüft wird.
Darüber hinaus gibt es weitere relevante Siegel, die für bestimmte Qualitäts- und Herkunftsmerkmale in der Schweinehaltung stehen. Darunter das bayerische Bio-Siegel, das QS-Prüfzeichen und das Siegel der „Initiative Tierwohl“. Mehr über die verschiedenen Gütesiegel erfahrt ihr hier.
Ein Beispiel aus der Praxis: Die Sauguad-Initiative bringt Schweinefleisch von jungen männlichen Schweinen aus bayerischer Erzeugung direkt zu Küchen und Verbraucher:innen.
Quellen
StMELF, Statistisches Bundesamt, BMEL
www.agrarheute.com/markt/tiere/bio-schweine-kleiner-markt-hohen-preisen-549691
https://www.bayerisches-strohschwein.de/haltung
https://www.statistik.bayern.de/presse/mitteilungen/2024/pm246/index.html
https://www.aktionsplankupierverzicht.bayern.de
https://www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/tierhaltung/schweinehaltung
