Wir denken global und bleiben unseren bayerischen Wurzeln eng verbunden.

Fendt – das sind über 90 Jahre Landtechnik-Geschichte mit dem Ursprung in Marktoberdorf im Allgäu. Das Unternehmen ist heute einer der weltweit führenden Hersteller von Traktoren und Erntemaschinen und unterstützt die Arbeit von „Unsere Bayerischen Bauern“.

Christoph Gröblinghoff, Vice President und Vorsitzender der Fendt Geschäftsführung, spricht mit uns über die Verbindung zur bayerischen Landwirtschaft, technologische Innovationen und die Zukunft der Branche.


Fendt hat seine Wurzeln im Allgäu und ist seit über 90 Jahren eng mit der bayerischen Landwirtschaft verbunden. Welche Bedeutung hat diese regionale Verankerung für Ihr Unternehmen heute noch?

Zu wissen, woher man kommt, ist ein wichtiger Teil der Fendt Identität. Unser erster Traktor, das Fendt Dieselross, ist 1930 im Allgäu entstanden. Das Dieselross wurde zuerst von Allgäuer Bauern eingesetzt und ist dann mit den bayerischen Landwirten gewachsen. Von Anfang an wurden die technischen Innovationen anhand der Anforderungen der Bauern entwickelt und umgesetzt. Bis heute ist diese Nähe zur Landwirtschaft auch wirtschaftlich ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Das Allgäu und Bayern sind für uns deshalb weitaus mehr als der Geburtsort von Fendt. Sie sind ein Innovationsraum, in dem wir technische Lösungen für regionale und internationale Produkte weiterentwickeln. Unsere Standorte in Marktoberdorf, Asbach-Bäumenheim und Feucht sind lokal verwurzelt in Bayern. Viele unserer Mitarbeitenden kommen vom Land, sogar häufig vom Hof. Sie wissen, welche Arbeit Landwirte und Lohnunternehmer leisten, damit wir qualitativ hochwertige und bezahlbare Nahrungsmittel auf den Esstischen haben. Um diese zu produzieren, brauchen Bauern zuverlässige und effiziente Technik – am besten von Fendt. Deshalb gilt für uns: Wir denken global und bleiben unseren bayerischen Wurzeln eng verbunden.


Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen: Klimawandel, steigende Kosten, Fachkräftemangel. Wie unterstützt Fendt die bayerischen Bäuerinnen und Bauern konkret dabei, diese Herausforderungen zu meistern?

Landwirtinnen und Landwirte stehen vor der Herausforderung, mit weniger Ressourcen mehr zu leisten. Das gelingt nur mit höherer Produktivität und Effizienz. Genau hier setzt Fendt an. Unser Anspruch ist es, unsere Kunden durch technische Lösungen so zu unterstützen, dass ihre Betriebe wirtschaftlich und damit zukunftsfähig sind. Das fängt bei kraftstoffeffizienten und leistungsstarken Antriebssystemen an, umfasst Smart Farming Lösungen, um Betriebsmittel bedarfsgerecht einsetzen zu können, und reicht bis zu intelligenten Assistenzsystemen, die den Fahrer entlasten, so dass auch nach zehn, zwölf Stunden Arbeitszeit die Arbeitsqualität gleichbleibend hoch ist. Die bayerische Landwirtschaft ist enorm anpassungsfähig, das hat sie in der Vergangenheit immer wieder bewiesen. Wir verstehen uns als Partner, der auf diesem Weg mit moderner Technik und praxisnahen Lösungen unterstützt.


Mit Innovationen wie dem stufenlosen Variogetriebe oder den neuen e-Traktoren setzt Fendt immer wieder technologische Maßstäbe. Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Umweltschutz bei der Entwicklung neuer Landmaschinen?

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit kann man nur zusammen betrachten. Eine Innovation wird sich in der breiten Praxis nur dann durchsetzen, wenn sie beides ist: ökonomisch und ökologisch tragfähig. Jede eingesparte Überfahrt, jeder Liter Diesel, der nicht verbraucht wird, jedes Betriebsmittel, das präziser ausgebracht werden kann, leistet einen Beitrag zum Umweltschutz und hilft, Kosten zu sparen. Innovationen wie das stufenlose Variogetriebe oder unsere digitalen Lösungen zeigen genau diesen Ansatz. Gleichzeitig beschäftigen wir uns intensiv mit alternativen Antrieben und sammeln, wie beim Fendt e100 Vario, weiterhin wichtige Erfahrungen, wo in der Landwirtschaft batterieelektrische Antriebe heute schon sinnvoll eingesetzt werden können. Denn nicht jede Lösung passt für jeden Betrieb. Entscheidend sind immer die individuellen Anforderungen. Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft entsteht also nicht aus Ideologie heraus. Sie entsteht technologieoffen aus Lösungen, mit denen Landwirte und Lohnunternehmer produktiver, ressourcenschonender und wirtschaftlich erfolgreich arbeiten können.


Bayern ist unter anderem geprägt von kleineren Betrieben und Grünlandwirtschaft. Wie gehen Sie mit Ihrem Produktangebot auf diese besonderen Strukturen ein?

Die Landwirtschaft in Bayern ist ausgesprochen vielfältig: vom Grünland im Alpenraum, über Ackerbau bis hin zu den Weinbergen in Franken. Und gerade hier zeigt sich, das moderne Technik und familiengeführte Betriebe kein Widerspruch sind. Unser Ziel ist es, die passende Lösung für beide Welten anzubieten: den größeren Ackerbaubetrieb genauso wie den familiengeführten Milchviehbetrieb in dritter Generation. Deshalb umfasst unser Produktprogramm eine große Bandbreite: von Traktoren in allen Leistungsklassen, über sämtliche Futteranbaugeräte bis hin zu selbstfahrenden Erntemaschinen wie dem Feldhäcksler Fendt Katana, über Pflanzenschutzspritzen bis hin zu Mähdreschern. Entscheidend ist, dass das Produkt optimal zum jeweiligen Betrieb und seinen Anforderungen passt. Der regelmäßige enge Austausch mit unseren Kunden ist dabei besonders wichtig.


Ihr Engagement bei Unsere Bayerischen Bauern e.V. ist ein klares Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft. Wie eng ist die Beziehung zwischen Fendt und den bayerischen Landwirten?

Die bayerische Landwirtschaft hat Fendt seit dem Gründungsjahr 1930 geprägt. Wir entwickeln und bauen nicht nur unsere Traktoren in Bayern, wir pflegen auch eine enge Beziehung zu unserem Vertriebspartner BayWa und den gemeinsamen Kunden. Diese Partnerschaft ist über viele Jahrzehnte gewachsen. Und wir bemühen uns sehr, diese Verbundenheit weiter zu pflegen. Ein Beispiel ist unser Aktionstag #TeamFendt: Fendt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbringen jedes Jahr einen Tag auf einem landwirtschaftlichen Betrieb und arbeiten mit. Danach verstehen sie die Bedarfe von Landwirten noch besser. Ein zweites Beispiel ist das jährliche Fendt Nachhaltigkeitsforum, auf dem wir Landwirten eine Bühne geben und zum Austausch einladen. Dass sich Fendt bei „Unsere Bayerischen Bauern“ engagiert, schließt daran an. Die Initiative macht sichtbar, was Bäuerinnen und Bauern Tag für Tag für die Gesellschaft leisten. Sie schafft Verständnis für die Arbeit in der Landwirtschaft und hilft dabei, mit den Verbrauchern im Gespräch zu bleiben. Letzteres ist wichtiger denn je, denn Verständnis entsteht nur durch Kommunikation und Diskurs. Jeder Beitrag, der die Perspektive der Landwirte sichtbar macht und zu mehr Wertschätzung für ihre Arbeit führt, ist da hilfreich und gut.


Und was verbindet Sie persönlich mit der Landwirtschaft?

Die Landwirtschaft begleitet mich schon mein ganzes Leben. Ich bin auf einem 50 Hektar großen Betrieb mit, damals noch, Schweinemast in Westfalen aufgewachsen, habe später Landwirtschaft gelernt und studiert und führe den Betrieb noch heute in 5. Generation weiter. Diese Herkunft prägt mich bis heute. Ich kann sehr gut nachvollziehen, was es heißt, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen. Wie viel Verantwortung, aber auch Leidenschaft damit verbunden ist, mit den Unwägbarkeiten von Wetter, Märkten und politischen Rahmenbedingungen umgehen zu müssen. Landwirte denken in Generationen. Gleichzeitig ist die Landwirtschaft eine der fortschrittlichsten Branchen überhaupt. Diese Mischung aus Tradition und Technik, aus Erde und Elektronik ist sehr spannend. Und vielleicht auch genau der Grund, warum ich mich in der Landwirtschaft bis heute zuhause fühle. Egal, ob ich auf unserem Familienbetrieb bin, im Gespräch mit unseren Kundinnen und Kunden oder in meiner Rolle bei Fendt.


Ergänzen Sie bitte diesen Satz: „Bayern ohne Bauern…“

… wäre nicht Bayern.

… wäre wie ein Traktor ohne Variogetriebe.

… wäre wie das Allgäu ohne Berge.

… wäre wirtschaftlich und landschaftlich deutlich ärmer.

… ist für mich nicht vorstellbar.