Jahreszeiten in der bayerischen Landwirtschaft

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Der Frühling beginnt…

…und die Bauern stehen jedes Jahr vor demselben Problem: Halten die ersten warmen Sonnenstrahlen, was sie versprechen? Oder bringt der Frühling noch einmal tiefe Temperaturen?
Im März/April wird traditionell das Holz bereitgelegt, um die Zäune sowie Schäden an Haus, Stall und Scheune auszubessern oder Neues anzubauen. Gleich nach dem ersten Tauwetter beginnt die Arbeit auf Acker und Feld, in den Wiesen müssen die Wassergräben gereinigt werden. Für das Bearbeiten der Böden sollten diese idealerweise noch leicht gefroren sein. Für das Düngen sind kalte Nächte (Nachtfrost) und wärmere Tage optimal. Die ersten „Duftwolken“, die das Ausfahren der Gülle mit sich bringt, mag vielleicht nicht jeder. Sie sind aber ein Zeichen dafür, dass das landwirtschaftliche Jahr langsam wieder zum Leben erwacht – und damit auch eine neue Saison mit frischen landwirtschaftlichen Erzeugnissen näher rückt. Außerdem: Als Nährstoff- und Kraftspender ist Gülle für das Wachstum jeder Nutzpflanze unerlässlich. Doch kommt nur so viel auf den Acker, wie für ein gesundes Wachstum benötigt wird. Kein Bauer bringt freiwillig zu viel Gülle auf die Felder – das macht Arbeit, kostet Geld und schmälert den Ertrag. Denn zu viel Stickstoff schadet den Pflanzen und verringert den Ernteertrag, wie Getreidebauer Xaver in der Reihe Nachgeha(r)kt erklärt.
Schwierig ist es jedoch für die Landwirte, wenn der Winter zu lang war und die Gülle nicht auf die Felder gebracht werden kann. Irgendwann sind die Güllebehälter und -gruben nämlich voll, und es fällt täglich neue Gülle an. Deshalb müssen die Speicherkapazitäten in einem ausreichenden Verhältnis zur Anzahl der Tiere stehen – Puffer inklusive.


Plätten und Säen

Kartoffeln oder Äpfel, die in großen Lagern überwintert haben, müssen nun sortiert werden – sie kommen zum Verkauf. Außerdem wird für Nachschub gesorgt und die neue Saat ausgebracht. Auch auf den Wiesen und Weideflächen müssen die Landwirte in diesen Wochen mit der Arbeit beginnen. Mit der sogenannten Wiesenhexe (oder auch Striegel genannt) werden Wühlmaus- und Maulwurfhaufen geplättet. So kann das Gras ordentlich wachsen, und bei der Heu-Ernte gelangt später keine Erde in die Maschinen.
Bei den Obstbauern ist in diesen Tagen ebenfalls einiges zu tun. Bäume schneiden, Wurzeln kappen und Düngen sind drei der wichtigsten Arbeiten auf den Obstplantagen. Die abgeschnittenen Pflanzenteile werden zerkleinert und kommen mit dem Dünger wieder zurück auf die Plantagen – ein geschlossener Kreislauf also.

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Sommer in der Landwirtschaft

Der Sommer ist für Bayerns Bauern die arbeitsreichste Zeit des Jahres. Jetzt steht die Ernte vor der Tür. Geerntet wird nicht nach Kalender, sondern nach dem tatsächlichen Reifezustand von Gemüse, Obst, Kartoffeln und Getreide. Und der hängt von vielen veränderlichen Faktoren ab, allen voran Temperaturen, Sonnenstunden und Niederschlägen.

Zu nass oder zu trocken?

Normalerweise zieht sich die Getreideernte durch den ganzen Juli bis in den August. Die Gerste macht den Anfang: Sie ist reif, sobald der Wassergehalt auf unter 20 Prozent gesunken ist. Wenn das Korn feuchter ist, muss es hinterher getrocknet werden. Dauerregen ist also für Getreide ein ebenso ernsthaftes Problem wie Trockenheit. Trockenheit führt oft zu einer kleineren Korngröße und damit zu niedrigeren Erträgen. 

Ein besonderes Erzeugnis hält viele Gemüsebauern in Niederbayern im Sommer auf Trab: Die Ernte von Einlegegurken. Sie reicht normalerweise von Juni bis in den September. Auf großen Ackerflächen werden hier vor allem Sorten angebaut, die sich besonders gut zum Konservieren und zur Verarbeitung zu feinsauren Delikatessen eigen: Jede zweite Gewürzgurke kommt aus Niederbayern. Wie die Gurke ins Glas kommt und wie viel Arbeit dahintersteckt, haben sich interessierte Verbraucher auf einer unserer Touren angesehen und nicht schlecht gestaunt:

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Geerntet wird das Naturprodukt mit so genannten „Gurkenfliegern“. Das ist ein Traktor oder Anhänger, an dem links und rechts zwei bis zu 15 Meter lange, tragflächenartige Plattformen aufgehängt sind, die etwa 30 Zentimeter über dem Boden schweben. Auf den Tragflächen liegen bäuchlings bis zu 30 Erntehelfer, die die Gurken per Hand pflücken und auf ein Förderband legen, das sie dann in einen Sammelbehälter transportiert. Der Gurkenflieger bewegt sich etwa einen Meter pro Minute, damit genügend Zeit zum Pflücken der reifen Früchte bleibt. 


Andere Gemüsepflanzen wie Salate, Wurzelgemüse, Kohlsorten, Tomaten, Gurken, Zucchini, Kürbis oder Bohnen werden den ganzen Sommer über bis in den Herbst hinein geerntet. Sie sind bei aller Sonnenliebe aber durstig und müssen bewässert werden, wenn Petrus mit dem Regen knausert. Der zusätzliche Wasserbedarf wird im Normalfall aber erst dann zum Problem für die Bauern, wenn sich das Grundwasser verknappt. Nach Aussagen des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), der die Interessen der meisten Wasserversorger in Deutschland vertritt, muss man sich deswegen aber keine ernsthaften Sorgen machen. Im Zweifel hat allerdings die Trinkwasserversorgung Vorrang vor der Bewässerung.

Hochsaison für Beerenfrüchte

Neben Getreide haben Obst und Gemüse jetzt Hauptsaison. Nach den Erdbeeren im Frühsommer sind die Kirschen im Juni als erstes Steinobst dran, gefolgt von Johannisbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Heidelbeeren und Brombeeren. Beeren lieben Trockenheit und Sonne – zumindest während der Reife. Baumobst wie Äpfel und Zwetschgen haben bis in den Herbst hinein Zeit, hier müssen die Bauern lediglich Pflegearbeiten in Angriff nehmen, also schneiden und eventuell bewässern. Um die empfindlichen Früchte in dieser Zeit vor Hitzegewittern zu schützen, die auch mal Hagel mit sich bringen können, verwenden Obstbauern oft Netze. Die sollen die Früchte gleichzeitig auch vor Sonnenbrand schützen.

Kein Tropfen ohne Hopfen!

Die Zutat für das bayerische Bier ist im Juli am Draht rund 7 m nach oben gewachsen. Jetzt bilden sich die Dolden aus. Ende August beginnt die Ernte. Hierbei handelt es sich nach wie vor um eine aufwändige Arbeit, trotz maschineller Unterstützung: Die Dolden müssen von den Reben gepflückt werden, ohne dass sie zerbrechen oder zu viel Stängel- und Blattanteil mitgeerntet wird. In den Erntewochen wird bei den Hopfenbauern jede helfende Hand gebraucht. Zum Glück weckt die Hopfenernte bereits Vorfreude auf ihr wichtigstes Einsatzgebiet: frisch gebrautes, bayerisches Bier!

Herbst in der Heimat der Vielfalt

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Und was passiert im Winter?

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Die Zeitumstellung

Zwei Mal im Jahr – im März und Oktober – werden die Uhren umgestellt. Als die aktuelle Regelung in Deutschland im Jahr 1980 in Kraft trat, war man der Überzeugung, dass die halbjährliche Umstellung der Einsparung von Energie dienen würde. Dieses Ziel wurde jedoch nie erreicht.
Nachdem 2018 in einer rekordverdächtigen Online-Umfrage mit 4,6 Millionen Rückmeldungen 84 Prozent der Teilnehmer aus 28 EU-Mitgliedsstaaten für eine Abschaffung der Zeitumstellung stimmten, sprach sich daraufhin auch das Europarlament Anfang des Jahres 2019 dafür aus und nannte das Jahr 2021 als Ziel. Aktuell beraten die EU-Staaten, für welche Zeit sie sich jeweils entscheiden wollen – Sommer- oder Winterzeit.

Ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaft

Für die Tiere ist die Zeitumstellung ein Stressfaktor, da sie meist an Melk- und Fütterungszeiten gewöhnt sind. Wenn sich diese Zeiten zwei Mal jährlich ändern, benötigen Milchkühe jeweils ein bis zwei Wochen, um sich daran zu gewöhnen. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes achten Landwirte in der Regel darauf, ihre Tiere möglichst sanft an die neue Melkzeit zu gewöhnen, indem sie die Zeitumstellung für das Melken über mehrere Tage verteilen. Bei der Herbst-Zeitumstellung ist der veränderte Tagesablauf auf den Bauernhöfen am lauten Muhen einiger Kühe morgens deutlich zu verfolgen. Im Frühjahr lässt sich einige Tage nach der Umstellung eine geringere Milchleistung feststellen. Durch die zunehmende Automatisierung mit Melkrobotern und Fütterungsautomaten stellt die Zeitumstellung allerdings sowohl in der Milchvieh-, als auch in der Schweinehaltung ein geringer werdendes Problem dar – wenngleich noch nicht alle Betriebe mit diesen Techniken ausgestattet sind.